„Der Natur auf der Spur“: Klimabotschafter Florian Havranek

Der 19-Jährige Florian Havranek fühlt sich seiner Heimat und der Natur im Westerwald verbunden. Nicht zuletzt durch seine Liebe zur Fotografie hat er den Blick, nicht nur den Blick auf seine Umgebung, auf die Umwelt, sondern auch den Weitblick. Auf die Zukunft. Er pflanzt Bäume, um diesen wertvollen Lebensraum zu erhalten und motiviert seine Mitmenschen, dass sie ihn als Baumpaten dabei zu unterstützen.

Investition in die Zukunft

Ein Lehrer brachte Florian im zehnten Schuljahr auf die Idee, sich zum Klimabotschafter ausbilden zu lassen. Natürlich fiel das bei dem Schüler auf fruchtbaren Boden. Das Abschlussprojekt konnte nur ein Film sein. Ganz klar. Mit einem Drehbuch in der Tasche und Kurt Beck als prominentem Sprecher entstand mit professioneller Unterstützung des SWR der Film „Unser Westerwald Gezeitenwelt“. Zuvor hatte der Jungfilmer zusammen mit Colin Haubrich Drehorte wie den Stöffelpark, das Wiedtal oder die Bacher Lay aufgesucht, mit Förstern gesprochen und reichlich Filmmaterial gesammelt.
Die abgeschlossene Ausbildung zum Klimabotschafter im Dezember 2018 war nicht das Ende, sondern der Anfang von viel Gutem.

Es folgten die Gründung der eigenen Agentur PATENTWESTERN und ein zweiter Film mit dem Titel „Faszination Wald Westerwald“ – ein 45-minütiger Dokumentarfilm. Im Herbst wird der Film im Cinexx Hachenburg zu sehen sein.

„Jede Blu-ray, ein Baum“, freut sich Florian Havranek und meint damit, dass mit dem Verkauf des Filmes die Finanzierung neuer Baum-Patenschaften gesichert ist.

Das Film-Plakat stellt den Film vor.
Die Dokumentation "Faszination Wald Westerwald" ist bereits der zweite Film von Florian Havranek.


Die eigene Umweltagentur

„Wir wollen Bäume pflanzen“ lautet das (Herzens-)Anliegen von PATENTWESTERN. Diese Umweltagentur hat Florian Havranek aus rechtlichen Gründen mit seinen Eltern zusammen gegründet. Sie setzt sich mit viel Engagement für die Natur, die Kultur und die Heimat ein, in Zusammenarbeit mit Forstämtern, Bildungseinrichtungen, Ministerien und Medien.

„Heimat steht für mich eindeutig im Mittelpunkt“, betont Havranek, der sich neben dem Umweltschutz auch kirchlich engagiert.

„Selbst der Westerwald ist vom Klimawandel bedroht. Wir müssen nur vor unsere eigene Haustür treten und sehen die Veränderungen und Bedrohungen. Dem möchten wir entgegenwirken und ganz konkret vor Ort etwas tun.“

So hat Florian Havranek immer wieder neue Ideen, wenn es darum geht, Einnahmen für die Patenschaften zu generieren: ein eigener Gin, Geschenk-Gutscheine, Adventskalender. Alles das findet sich auf der Webseite, deren Aufbau intensiv vorangetrieben wurde.

Segen aus Rom

Im Sommer 2019 kam es zu einer ganz besonderen Begegnung. Während der Mittwochsaudienz auf dem Petersplatz in Rom hat Florian Havranek mit dem Papst 20 Minuten über Gott und die Welt geredet. Ihm war der Westerwald ein Begriff, konnte ihn sogar regional einordnen. Mit im Reisegepäck hatte Florian einen Elsbeerbaum und Franziskus segnete diese alte Sorte.

„Die Elsbeere ist ein robuster, langlebiger Baum, mehr als 20 000 Jahre gibt es sie schon. Mittlerweile steht sie auf der Roten Liste, weil sie vom Aussterben bedroht ist“, weiß Florian Havranek.

Der Klimabotschafter ist noch immer sichtlich beeindruckt von dem Treffen mit dem Kirchenoberhaupt. Millionen von Menschen haben es am Bildschirm live mitverfolgt.

Die gesegnete Elsbeere hat ihren Platz auf einer Wiese in Marienstatt gefunden. Zwischen dem Kloster und PATENTWESTERN besteht eine Kooperation.

Erst der Anfang

Ein einzelner Baum trägt schon dazu bei, den Wald etwas gesünder zu machen. Florian Havranek erklärt: „Wir schenken Bäume gegen bestimmte Auflagen.“ So dürfen diese 90 bis 130 Jahre lang nicht gefällt werden und auch der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden ist nicht erlaubt.

Konkret: Ein Baumpate sucht sich einen oder mehrere Bäume aus, die er gerne gepflanzt sehen möchte. Er kann dabei auch tatkräftig mitwirken. Die Pflanzung erfolgt an zwei Tagen im Herbst, in den Frühjahrs- und Sommermonaten ist es viel zu trocken. Die niedrige „Eingangsrate“ von 0,01 Prozent spricht für dieses Vorgehen, milde Winter vorausgesetzt.

„Wir benötigen eine Woche im Vorfeld, um die Pflanzaktion vorzubereiten.“ Dazu gehört unter anderem, dass Schutzgitter für die jungen Bäumen aus Edelstahl – und nicht aus Plastik, wie Havranek betont – gebogen werden. Diese Gitter werden regional bezogen und auch die vitalen Bäume stammen aus einer Baumschule in Bad Ems. „Made in Germany“, freut sich der junge Dreisbacher.

Florian Havranek steht mit einem Spaten im Westerwald.
Florian Havranek organisiert Baumpflanzaktionen, die an zwei Tagen im Jahr stattfinden.

Neben Marienstatt gibt es noch weitere Aufforstungsflächen im Westerwald. „Im vergangenen Herbst haben wir eine Fläche in der Nähe des Bismarckturms in Altenkirchen bepflanzt. Dort wachsen jetzt mehr als 300 heimische Bäume wie beispielsweise Felsenbirne, Wildapfel, Eichen und Buchen.“

In diesem Jahr wird die Aktion erstmalig in Dreisbach und im Stadtwald Hachenburg stattfinden.

Außerdem wartet ein dritter Film auf die Umsetzung. Im nächsten Jahr steht auch noch das offizielle „Nichtschülerabitur“ auf dem Plan des engagierten Umwelthelden Florian Havranek: „Mit dem Abitur in der Tasche, ist es mein Wunsch, mich an einer Filmhochschule zu bewerben, um meine Leidenschaft zu einem Beruf auszubauen." 

 Selber Pate werden

„Was wäre der Westerwälder ohne seinen Wald? Der Wald ist die Wurzel unseres ursprünglichen Lebensraumes (…). Er bietet uns Wege zurück zur Natur, zum Abenteuer, zurück zum Erleben der Sinne, zurück zu uns selbst.“

 Wer mehr zum Projekt wissen möchte oder Pate für einen Baum werden will:

https://klima-westerwald.de/baumpatenschaft/