„Ziemlich beste (alte) Freunde“

Die beiden kennen sich schon seit Ewigkeiten. Sie sind schon zusammen auf die Grundschule in ihrem Geburtsort Herdorf gegangen, anschließend besuchten sie das Gymnasium in Neunkirchen.

„2015 haben wir angefangen zu imkern“, erklärt Marcel. „Begonnen hat aber alles im Jahr davor. Wir waren auf dem Herbstmarkt in Daaden und kamen am Stand des BZV (Bienenzuchtverein) Daaden mit ein paar netten, älteren Herren ins Gespräch.“ Der schon langgehegte Gedanke wurde neu entfacht. Der BZV schenkte ihnen mit Eintritt in den Verein zwei Bienenvölker. Damit starteten sie ihre „Imker-Karriere“. Ihre Motivation: die Liebe zur Natur. „Wir sehen uns als Bienenhalter, nicht als Bienenzüchter“, sind sich die beiden einig.


Von Geburtstag zu Geburtstag

Der Gymnasiallehrer Schneider (31) und der Kita-Leiter Patt (30) sind beide voll berufstätig und beruflich eingespannt. Doch einmal pro Woche besuchen sie jedes Bienenvolk. Da kann es noch so hektisch sein, es führt kein Weg dran vorbei. In Weitefeld gibt es drei Völker plus zwei Ableger, in Herdorf vier Völker und in Neunkirchen Zeppenfeld sind es sogar sechs. Drei Standorte also in der Summe, der in Weitefeld ist der naturbelassenste.

Marcel kam Ende März (1990) auf die Welt und Simon hat Mitte Juli Geburtstag. Diese Spanne fügt sich ganz wunderbar in den Kreislauf der Bienen. Denn in diesem Zeitraum sind die Bienen im Laufe des Jahres am aktivsten. Spätestens ab Juli/August fahren die Bienen in den Wintermodus. Im Winter wird „gekuschelt“. Die Winterbienen halten ihre Königin warm, bei circa 25 Grad im Inneren der Holzbox.

Bienen bei der Arbeit 
Im Inneren der Wabe wimmelt es nur so von Bienen die fleißig Honig produzieren. 


„Wild und frei“

„Wir lassen der Natur so gut es geht ihren Lauf, selektieren nicht und lieben unsere Bienen wie sie sind: wild und frei“, sagen Schneider und Patt übereinstimmend. Nur in diesem Mai mussten sie ihre Bienen füttern: „Es war viel zu kalt und nass.“ Die Bienenbrüder legen großen Wert auf Naturschutz und nicht auf den Gedanken, „mit dem Honig Geschäfte machen zu wollen.“

Bei einem Sonntagsspaziergang mit Marcels Vater war die Idee geboren, mit Bienenvölkern nach Weitefeld zu expandieren. Auch Simon Patt ist (2018) zu den Bienen nach Weitefeld in die Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf gezogen, erzählt er augenzwinkernd. Es stecke viel Arbeit und Verantwortung in diesem Hobby mit einem Lebensmittel als Produkt, aber eben auch ganz viel Freude. „Menschen wundern sich, dass der Honig jedes Jahr anders schmeckt. Dabei kann es ja gar nur so sein bei einem Naturprodukt.“


Viel Natur und Bio aber auch Pädagogik

Ein spannendes Hobby, durch das man viele Dinge über die Natur erfährt. Es gibt tatsächlich auch bei den Bienen böse und liebe Völker, wissen die beiden zu berichten. „Ein Bienenvolk kann bis zu 50.000 Bienen stark sein.“ Im Gegensatz zu den Wildbienen hat die Honigbiene den Imker als starke Lobby. Ein Tipp für jeden, der sich ein Bienenvolk zulegen möchte, kommt von Simon: „Jeder, der das plant, sollte sich unbedingt einen Imkerpaten suchen.“ Denn, jeder, der sich für ein Bienenvolk entscheidet, trägt die volle Verantwortung.

„Woher stammt euer Wissen?", möchte ich wissen. „Im Prinzip durch den Bienenzuchtverein Daaden, deren Mitglieder wir heute noch sind“, antwortet Marcel und Simon ergänzt: „Die wichtigste Hausaufgabe ist es, zu lesen, zu lesen und noch mehr zu lesen; sich Fachliteratur besorgen und Wissen aneignen.“ Der Kitaleiter beispielsweise hat sich in einem Honiglehrgang weitergebildet und ist zertifiziert. Von Berufswegen lassen sie auch ihre Schüler und Kita-Kinder teilhaben, führen Exkursionen zu den Bienen durch. Kreativ und voller neuer Pläne stecken sie im Sinne der Nachhaltigkeit und des Naturschutzes. So planen sie, im Herbst die Fläche in eine Streuobstwiese zu verwandeln.

Die Bienenbrüder bei der Arbeit. 
Die Bienenbrüder Marcel Schneider und Simon Patt kümmern sich um die fleißigen Insekten. 


Imkerlatein

„Unsere Bienen überraschen uns immer noch und wir lernen regelmäßig etwas Neues. Es wird nie langweilig.“ Was die beiden auch noch perfekt beherrschen, ist die Sprache der Imker: Die „Wohnung“ der Bienen beispielsweise heißt Beute. Die Bienenbrüder verwenden das Modell „Dadant“ aus Weymouthkiefer. Teilweise sind diese Holzboxen selbstgebaut, einen guten Teil beziehen sie von einer (hessischen) Behindertenwerkstatt. In die Bienenbeute werden sogenannte (mit Wachsstreifen präparierte) Rähmen eingehängt, in denen die Bienen dann die Waben errichten.

Dann wären da noch Werkzeuge wie Stockmeißel, Besen und Smoker. Mit Hilfe des Smokers wird Rauch in die Beute eingebracht und so ein Waldbrand simuliert. In Alarmbereitschaft versetzt, schlagen sich die Bienen ihren Bauch mit Honig voll, weil sie fürchten, sie müssten ausziehen und werden ziemlich träge. Das erleichtert den Bienenhaltern, ganz in Ruhe nach dem Gesamtzustand des Volkes und nach der Brut zu schauen und natürlich nach der Königin. Diese kann bis zu fünf Jahre alt werden, sie stiftet, das heißt, sie legt Eier.

Die „Arbeiterinnen“ hingegen haben ein anstrengendes Leben, ihnen bleiben oft nur 31 Tage. Drohnen leben abhängig davon, ob sie ihrer Bestimmung gerecht werden oder nicht. Falls nicht, kann es auch schon mal zu einer martialischen „Drohnenschlacht“ kommen. Schöner ist da doch der „Hochzeitsflug“ im Frühjahr, wenn die Drohnen um die Gunst der Königin wetteifern. Die Bienen bewegen sich in einem Radius von drei Kilometern. „Für ein Glas Honig müsste eine Biene ein paar Mal um die Erde fliegen.“ Simon Patt und Marcel Schneider sehen zufrieden aus, dasselbe gilt auch für ihre Völker: „Die Bienen scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen.“


Du möchtest mehr über die Bienenbrüder erfahren? Auf Instagram lassen Dich die beiden an ihren täglichen Aufgaben teilhaben. https://www.instagram.com/die_bienenbrueder/