Aus Hobby wurde Ernst

Hunderte Anhänger haben sich inzwischen dem Müllsammeln auf Flüssen in ganz Deutschland verschrieben. Denn innerhalb von nur vier Jahren wuchs das lokal ansässige Clean River Project zu einer nationalen sogenannten Nichtregierungsorganisation, kurz NGO. Angefangen hat alles ganz klein: Fotodesigner und Künstler Stephan Horch war auf der Suche nach einem neuen Hobby – so kam er vor rund acht Jahren zum Kajakfahren. Doch die Freude an seiner Freizeitbeschäftigung wurde getrübt: von jeder Menge Müll, der vor und hinter seinem Boot auf dem Fluss schwamm. Er startete damit, den Müll einzusammeln. Die gewünschte Aufmerksamkeit – und viele Mitstreiter – bekam er erst, als er begann seine Fundstücke künstlerisch in Szene zu setzen. 

Mit Kajak und Kamera

Dass die Müllbelastung in heimischen Gewässern ähnlich kritisch ist wie in den Meeren und sich auf diese auswirkt, wissen viele nicht. Studien zeigen, dass rund 80 Prozent des Mülls im Meer aus den Flüssen stammt. Die Flüsse von Müll zu befreien, packt das Problem also bei der Wurzel. Stephan Horch bringt es auf den Punkt: „Die Situation unserer Gewässer ist schlimm. Aber wir versuchen, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. Und das gelingt uns mit Kunst- und Gemeinschaftsaktionen – das macht unseren Verein aus.“


Eine starke Gemeinschaft

Mittlerweile hat das Clean River Project 55 öffentliche sogenannte Clean-up-Events veranstaltet – und dabei insgesamt 155.000 Liter Müll gesammelt. Darunter auch skurrile Gegenstände, wie eine Schreibmaschine, ein Schlauchboot – oder eben einen Katheterbeutel. Durchschnittlich unterstützen 50 freiwillige Helfer die einzelnen Aktionen. „Ohne diese Hilfe wäre vieles nicht möglich gewesen“, freut sich Stephan Horch. Und auch immer mehr Unternehmen fördert die NGO, indem sie Vorträge oder Teambuilding-Workshops buchen.

Bei allen Clean-ups organisiert der Verein Boote und die nötige Ausstattung. „Die Termine kündigen wir auf unserer Website an, Teilnehmer brauchen sich lediglich anmelden“, erklärt Stephan Horch. 


Ausgezeichnet erfolgreich

Die Kunstwerke aus den gesammelten Fundstücken stellt der Verein regelmäßig aus und verkauft sie – bereits in zwölf verschiedenen Städten in Deutschland und den Niederlanden. In einem ehemaligen Schwimmbad in Ludwigshafen befindet sich eine Dauerausstellung. 

Das Engagement bleibt nicht unbeobachtet: Die NGO ist unter anderem Träger des Deutschen Engagementpreises 2018 in der Kategorie „Leben bewahren”, Umweltpreisträger Rheinland Pfalz 2018 zum Thema „Wasser ist Leben” und gewann den Ideenfutterwettbewerb Schleswig-Holstein 2018. 2015 hielt Stephan Horch außerdem einen Vortrag im Bundestag. 


45.000 Liter Müll auf einer Tour

Auf seiner mehrtägigen Paddeltour von Koblenz bis Berlin im vergangenen Jahr war Stephan Horch selten allein. Auf einem Großteil der 823 Kilometer langen Strecke sammelten Freiwillige gemeinsam mit ihm Plastik. Das Ergebnis: 45.000 Liter Müll. „Unser Ziel ist es, alle größeren Flüsse deutschlandweit von Plastik zu befreien“, verrät der Gründer. Dem Ziel sind sie nahe – einzig auf der Donau waren die Kajakfahrer noch nicht. Die steht deshalb dieses Jahr auf der Agenda. Soweit es die aktuelle Situation zulässt. 


Mit viel Herzblut

Ein einzelnes Clean-up trägt selten dazu bei, den Fluss nachhaltig zu säubern. Stephan Horch weiß: „Plastik einsammeln ist das eine. Den Menschen klarmachen, sensibler mit unserer Umwelt umzugehen, das andere.“ Eine Herzensaufgabe ist darum, die Arbeit mit Kindern: In Schulen und Kindergärten schärfen die Vereinsmitglieder das Bewusstsein der Kleinsten. „Bei einer Clean-up-Aktion auf dem Rhein haben wir unzählige Deckel von PET-Flaschen gefunden – auf 150 Metern insgesamt 10.533 Stück. Gemeinsam mit den Kindern legten wir damit eine vier Meter große Weihnachtskerze“, berichtet Stephan Horch. Die entstandenen Fotos dienten als Postkartenmotive, die der Verein auf dem Weihnachtsmarkt verkaufte. 


Hilfe für Helfer

Aktuell kämpft das Clean River Project mit den Folgen der Corona-Krise. Wer die Clean-up- und Bildungsaktionen unterstützen möchte, kann mit Spenden über die Plattform Betterplace.org helfen. 

Mehr zum Projekt und zu den nächsten Clean-up-Terminen in der Region unter cleanriverproject.de


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