Sie treffen sich nicht täglich, sondern einmal im Monat, genauer gesagt an jedem zweiten Montag im Monat. Und auch nicht „im Eck in der Konditorei“, sondern sehr zentral am Autohof Koblenz Metternich direkt am Autokreuz von A61 und A48. Sie – das sind rund 70 interessierte Autofans und vor allem E-Mobil-Freunde aus dem Raum Koblenz/Eifel/Hunsrück/Westerwald. Dieser Autohof ist bestens ausgestattet. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten aufzutanken. Richtigerweise muss es „aufzuladen“ heißen. Und zwar Elektro-Autos, denn es handelt sich um den E-Mobilitätsstammtisch.
Der Parkplatz füllt sich an diesem Abend langsam aber sicher mit E-Autos aller verfügbaren Fahrzeugtypen und Marken. So ziemlich alles ist vertreten. Rund 30 Autos mit ihren geschätzt etwas über 40 Besitzern und Beifahrern. Was die Menschen verbindet, ist die Liebe zum Elektro-Auto. Sie stehen dicht gedrängt um ihre Schätzchen, führen intensive Gespräche, sind in Fachsimpelei und Betrachtungen vertieft.

Elektro-Mobilität liegt im Trend

Stefan Daun, Experte für E-Mobilität bei der Energieversorgung Mittelrhein (evm), schwärmt: „Das Fahren eines Elektroautos führt auch zur Entschleunigung des Lebens. Nach zwei, drei Stunden auf einer überfüllten Autobahn aussteigen und einen Kaffee genießen, während das Auto auch wieder auflädt, das ist doch optimal.“ Daun weiß aus Erfahrung, dass derjenige, der zum ersten Mal mit einem E-Auto fährt, vier Fragen stellt beziehungsweise vier Aussagen tätigt: „Wow, der beschleunigt aber ganz schön.“ „Ist der aber leise.“ „Was kostet er?“ „Wie groß ist seine Reichweite?“ Und der Experte weiß auch: Wer einmal elektrisch gefahren ist, möchte es gerne wieder tun. „Der Stammtisch bietet Elektroautofahrern und denen, die es werden wollen, eine gute Möglichkeit sich auszutauschen“, erklärt der evm-Experte. „Ich freue mich, selbst mit dabei zu sein.“

Der Stammtisch und seine Geschichte

Die Verantwortlichen für den Stammtisch
„Die Verantwortlichen für den Stammtisch – Ingo Schwanenberger und Robert Nickenig – mit Stefan Daun, dem Experten von evm.“ Von links: Robert Nickenig, Stefan Daun, Ingo Schwanenberger.

Die beiden Organisatoren des Stammtischs, Robert Nickenig und Ingo Schwanenberger, berichten, wie sich alles entwickelt hat. „Wir haben Infotage rund um E-Mobilität organisiert. Nach so einem Tag haben wir uns gefragt, wo der nächstgelegene Stammtisch ist“, schildern die beiden. „Ich fahre von Boppard bis nach Mainz und Kaiserslautern“, sagt Schwanenberger. „Aber es muss doch auch etwas Näheres geben – da müssen wir was machen“, fügt Nickenig hinzu. Nachdem sie sich einiges angesehen hatten, fiel ihre Wahl auf den Autohof am Rübenacher Berg als Standort des neuen Stammtisches. Gute Argumente sprechen für ihn: die ausreichende Zahl an Parkplätzen, Gastronomie, freundliches Personal, zentrale Lage und auch die DC-Ladestation der evm für die E-Autos. Der mittlerweile vierte Stammtisch ist mit gut 50 Personen stark frequentiert. Der Stammtisch richtet sich an E-Fahrer und die, die darüber etwas wissen möchten mit dem Ziel für das Thema zu sensibilisieren. In Autohäusern hat sich das E-Auto noch nicht flächendeckend durchgesetzt – so Schwanenberger: „Wir möchten, die E-Mobilität im Raum Koblenz weiter vorantreiben und die Akzeptanz forcieren. Natürlich wissen wir auch, dass das E-Auto noch nicht 100 Prozent umweltfreundlich ist – aber gegenüber dem Verbrenner haben wir wenigstens die Chance, dies in Zukunft zu erreichen.“ Schwanenberger fährt fort: „Wir suchen den Kontakt zu Autohäusern und Energieversorgern, um alle miteinander zu vernetzen und die Wünsche und Ängste der zukünftigen E-Fahrer zu vermitteln. Wir möchten verhindern, dass jeder in der Kette die gleichen Anfangsfehler macht.“ Und so kommt es, dass an diesem Abend nicht nur die Mitglieder, sondern auch die evm und zwei Autohäuser aus Koblenz mit dabei sind.
„Freaks“, wie sie Margo Castor vom Autohaus Lyhs & Gondert GmbH Mercedes-Benz aus Koblenz mit einem Augenzwinkern nennt. Tatsächlich ist der „Elektro-Mobilist“ ökologisch interessiert. Es sind mehrfach Kunden, die eine Photovoltaik (PV)-Anlage auf dem Dach haben und sich den Strom für das Auto sozusagen selbst erzeugen. Hier bietet die evm das komplette Paket für eine nachhaltige Mobilität: Ladetechnik in der Zusammenarbeit mit den Kollegen der Netzgesellschaft für die Netzanschlussanfrage, ein PV-Energiedach für die Erzeugung von Eigenstrom und, sollte dieser nicht ausreichen, den ebenfalls 100 Prozent Ökostromtarif speziell für Elektro-Autofahrer.
„Über Handwerkskontakte sind wir auf diesen Stammtisch aufmerksam geworden und heute nehmen wir teil“, freut sich Stefan Daun. Die evm bietet selbst regelmäßig Infoabende zum Thema E-Mobilität an.

Die Fahrzeuge und ihre Wirkung
Die beiden Autohäuser haben besondere Exemplare aus ihren jeweiligen Häusern mitgebracht: Margo Castor vom Autohaus Lyhs & Gondert in Koblenz einen Mercedes EQC und ihr „Kollege“ Sven Best vom Audi Zentrum Koblenz einen Audi e-tron.
Margo Castor überzeugt ihre Kunden mit ihrer eigenen Begeisterung, nachdem sie selbst das erste Mal den EQC gefahren ist: „Dieser Moment, wenn du das Gaspedal trittst und die 408 PS auf den Punkt da sind und dich in den Sitz drücken – das ist der Hammer!“
Sven Best erläutert einen weiteren Faktor: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass monetäre Aspekte eine Rolle spielen. Wer einen E-Dienstwagen kauft oder least (bis zum 31. Dezember 2021) kommt in den Genuss der „0,5 Prozent-Regelung“ der Dienstwagenbesteuerung. Das bedeutet eine steuerliche Entlastung. Wir in den Autohäusern müssen noch echte Pionierarbeit leisten.“

evm-Experte Stefan Daun berichtet von einem anderen Phänomen: „Ich habe in Autoscout recherchiert. Im Umkreis von 100 Kilometern waren von 37 000 angebotenen Autos nur 500 E-Autos. Einen wirklichen privaten Gebrauchtwagenmarkt gibt es noch nicht.“ Ingo Schwanenberger erklärt, dass die meisten „unter der Hand weggehen, ohne auf diesen Markt zu gelangen. Er fährt fort: „E-Autos gibt es schon seit dreißig Jahren. So langsam werden sie alltagstauglich. Wir sind begeistert von der Sache und mit Herzblut dabei.“ Das bemerkt man auch schnell im Gespräch mit Teilnehmern an diesem Stammtisch.

Die Mitglieder und ihre Geschichten

Michael Lind
„Michael Lind hat bereits sein viertes E-Auto und ist von der E-Mobilität sehr begeistert und überzeugt.“

Michael Lind (51) aus Kaiserlautern hat an diesem Abend 150 Kilometer Weg auf sich genommen, um am vierten Stammtisch in Koblenz mit dabei zu sein. Der erste, an dem Lind teilgenommen hat, war beim EVRN in Ludwigshafen und liegt schon einige Jahre zurück. Irgendwann hat er überlegt, selbst einen Stammtisch ins Leben zu rufen. Es blieb nicht bei der Überlegung, sondern er setzte es auch in die Tat um. Nun findet jeden dritten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr ein E-Stammtisch in Kaiserlautern-Siegelbach statt. Ein anderer Wochentag als in Koblenz, um Überschneidungen mit den anderen Treffen zu vermeiden. Der überzeugte E-Mobilist fährt bereits das vierte E-Auto. Begonnen hat alles mit dem Nissan Leaf, darauf folgten zwei Renault ZOE. Einen von diesen fährt nun ganz begeistert sein Vater: „Sein Mercedes Diesel steht sich in der Garage die Reifen platt“, schmunzelt Lind. Mit seinem aktuellen Wagen, einem Tesla Model 3, hat sich Lind einen Traum erfüllt und seit Februar dieses Jahres schon über 30 000 Kilometer zurückgelegt. Im Urlaub war er diesen Sommer mit dem Fahrzeug in Kroatien und Italien. Alles kein Problem. Im Gegenteil. „Die Reichweiten moderner Elektrofahrzeuge sind nicht mehr durch die Akkukapazität beschränkt, sondern durch die Kapazität der menschlichen Blase“, wischt er Vorurteile mit einem Argument vom Tisch.

Frank-Michael Uhle
Klimaschutzmanager Frank-Michael Uhle hat eine Wirtschaftsberechnung durchgeführt und kommt zu spannenden Ergebnissen.

Frank-Michael Uhle (49) aus Cochem fährt privat seit anderthalb Jahren einen Renault ZOE und hat seitdem 37 000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Der Dipl.-Ing. (FH) Architekt wollte dem Ganzen einmal ökonomisch nachgehen und hat eine wirtschaftliche Auswertung aufgestellt. Seine Vollkostenrechnung kam zu dem Ergebnis, dass bei Verbrennungsmotoren, egal ob Diesel- oder Benziner, teure Reparaturen anfallen. „Die zwei Albträume eines Pendlers heißen Zweimassenschwungrad und Turbolader“, so Uhle. Mit zertifiziertem Ökostrom sinken diese Betriebsausgaben auf ein Drittel. Bei dem, der eine eigene PV-Anlage auf dem Dach hat, sogar auf ein Viertel. Sein Fazit: „Mit einer jährlichen Kilometerleistung von 25 000 Kilometern hat sich mein E-Auto nach acht Jahren faktisch abbezahlt.“ Uhle überträgt seine private Erfahrung auf seinen Beruf als Klimaschutzmanager des Rhein-Hunsrück-Kreises und rechnet vor: „Wenn von 69 000 PKWs im Rhein-Hunsrück-Kreis 30 000 Pendler-Kfz ersetzt werden, bedeutet das bei durchschnittlichen 1500 Euro Ersparnis pro PKW, eine Gesamtersparnis von 45 Millionen per annum.“ Das E-Auto ist seiner Meinung nach nicht nur alltagstauglich, sondern sorgt eindeutig für mehr Fahrspaß.

Horst Papenberg, Guido Orth-Gauch und Hans-Peter Krämer
Horst Papenberg, Guido Orth-Gauch und Hans-Peter Krämer nutzen den Stammtisch zum Austausch.

Guido Orth-Gauch aus Kastellaun ist nicht allein zum Stammtisch gekommen, sondern hat zwei interessierte Freunde eingeladen, ihn nach Koblenz zu begleiten. Ihm ist das Thema Weiterbildung im Bereich der E-Mobilität wichtig. Es gibt nur zwei Handwerkskammern, die den Berater für Elektromobilität anbieten. Das sind momentan Dresden und München. In diesem Lehrgang werden Fachspezialisten des Handwerks zu Beratern für Elektromobilität qualifiziert. Der Lehrgang vermittelt technologieübergreifendes Wissen: Er behandelt beispielsweise die Integration von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Fuhrparks unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz. Ebenso Thema: Die Systemintegration von Elektromobilität in dezentrale Energieversorgungsstrukturen. Guido Orth-Gauch hat 2018 die gut 240 Unterrichtseinheiten umfassende Ausbildung absolviert und vor der Handwerkskammer München die Prüfung zum staatlich anerkannten Berater für Elektromobilität – Smart Advisor (HWK) abgelegt. Nun berät er interessierte Menschen, die mit ihren Fragen zu ihm kommen.

In einem sind sich alle einig: Umdenken hin zur E-Mobilität ist notwendig.

Wer auch gerne mal am Elektromobilitäts-Stammtisch teilnehmen möchte, findet alle Informationen unter facebook.com/efahrerkoblenz
Infos zu unseren Produkten rund um die Elektromobilität finden sich unter evm.de/emobil.