Der Forscher in ihm

Jan Heinemann ist gerade 18 geworden. Er lebt in Andernach und besucht dort die zwölfte Klasse des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. Begonnen hat alles mit einem Schulprojekttag vor anderthalb Jahren. Seine Projektbetreuerin - und Ansprechpartnerin für Jugend forscht - war Rebecca Rabe. Das konkrete Thema seines Projektes lautete „Entwicklung, Produktion und Vermarktung eines Gerätes zur Vermeidung der Notwendigkeit, brennende Gebäude zu betreten und zur Erhöhung der Sicherheit von Einsatzkräften“. Rebecca Rabe war begeistert und riet Jan Heinemann, sich doch einmal bei Jugend forscht zu bewerben. Das war 2020. Er gewann in dem Jahr den Regionalwettbewerb und qualifizierte sich für den 55. Landeswettbewerb, dieser fiel jedoch aufgrund von Corona ins Wasser. Also bewarb Heinemann sich dieses Jahr erneut und war wieder erfolgreich. Wir als evm richten bereits seit über 20 Jahren den Regionalwettbewerb zu Jugend forscht aus - so auch dieses Jahr, und zwar digital. 

„Das Leben anderer zu retten, hat auch in meiner Freizeit einen großen Stellenwert. Dazu engagiere ich mich in der DLRG sowie im Rettungsdienst. Mein Freund Johannes, welcher mir half, die zündende Idee für den Löschigel zu liefern, betätigt sich in der Freiwilligen Feuerwehr, er stieg leider jedoch schon früh aus der Entwicklung aus.“


„Wie funktioniert ein Löschigel?“

Seinen Namen hat der Löschigel von den herausstehenden Düsen, die ein wenig an die Stacheln eines Igels erinnern. Der Andernacher entwickelte diesen Leiteraufsatz mit Düsen, die Wasser in unterschiedliche Richtungen sprühen lassen. Die Feuerwehr kann ihn einsetzen, wenn ein brennendes Gebäude von innen gelöscht werden muss. „Damit wird auch die Sicherheit der Einsatzkräfte erhöht“, erklärt Jan Heinemann. „Das Löschen von außen weist im Vergleich zum Löschen von innen jedoch einen deutlich geringeren Wirkungsgrad auf.“

Mit dem Löschigel soll das Gebäude so effektiv von innen gelöscht werden wie beim Innenangriff, aber so sicher wie beim Außenangriff. Der Brand wird effektiv von innen bekämpft, ohne dass sich Feuerwehrleute in das Gebäude hinein und somit in große Gefahr begeben müssen, da der Löschigel aus sicherer Entfernung durch eine kleine Öffnung in ein brennendes Gebäude geschoben wird. Die Bedienung ist intuitiv.  Das ist von Vorteil, da es eine große Zahl an Freiwilligen in den Feuerwehren gibt und aufwendige Schulungen und regelmäßige Übungen entfallen. Der Löschigel wurde eigenhändig vom Jungforscher patentiert, aktuell wird eine Zertifizierung vorbereitet, um den Löschigel offiziell im Einsatz benutzen zu können. So sollen Leben bestmöglich geschützt werden.

Der Löschigel von Jan Heinemann
So funktioniert der Löschigel: Durch die kleinen Düsen entweicht Wasser, wodurch das Löschen von Innenräumen begünstigt wird. Künftig unterstützt der Löschigel die Feuerwehr bei Löscharbeiten.


„Wir sind eine Familie“

Heinemann bezeichnet sich als Teil der „Blaulicht-Familie“ - sein Netzwerk rund um die Hilfsorganisationen, Rettungsdienste und Feuerwehren. „Wir kennen uns und unterstützen uns gegenseitig.“ Die Hilfsorganisationen beschäftigen sich tagtäglich mit der Rettung von Leben. „Es macht uns Spaß und wir sind Teil einer großen Familie. Allerdings ist das Retten von anderen immer auch ein Risiko für das eigene Leben. Wenn wir von der Rettungsleitstelle zu einem Einsatz gerufen werden, dafür sogar manchmal den Schulunterricht verlassen, wollen wir unversehrt und gesund zurückkehren. Dies ist unser aller Grundbedürfnis. Deshalb wollen wir einen Beitrag dazu leisten, das Risiko bei Einsätzen zu minimieren. Die Bezeichnung als Held hört man gerne, die als Märtyrer hört man nie“, erklärt Heinemann.

Michael Zimmer, Wehrführer von der Freiwilligen Feuerwehr VG Weißenthurm Löschzug Rheindörfer zeigt sich begeistert von Heinemanns Löschigel: „Es ist eine grandiose, innovative Erfindung von Jan. Das Gerät kann nicht nur zur Brandbekämpfung, sondern auch zur Niederschlagung von giftigen Dämpfen oder zum Kühlen von Behältern eingesetzt werden. Ideal, um eigene Leute im Innenangriff zu schützen.“


Wohin geht die Reise?

Mit dem Löschigel hat sich Jan Heinemann für den Landeswettbewerb von Jugend forscht qualifiziert, der eigentlich vom 23.-25. März bei der BASF vor Ort hätte stattfinden sollen. Auch das wird nur online funktionieren. „Das finde ich sehr schade, wäre ich doch gerne nach Ludwigshafen gefahren, eine einmalige Möglichkeit zum Kontakteknüpfen geht damit verloren“, bedauert Jan Heinemann. Trotzdem hat er es geschafft: Auch hier überzeugt der Jungforscher mit seiner Idee und sichert sich den 1. Platz in der Kategorie „Arbeitswelt“. Damit vertritt er Rheinland-Pfalz beim Bundeswettbewerb Ende Mai. Wettbewerbspate Christian Schröder von der evm ist optimistisch: „Schon öfter konnten Schüler aus unserer Region auf Bundesebene überzeugen. Ich glaube, dass Jan Heinemann hier mit seinem Löschigel beste Chancen auf einen großen Erfolg hat.“


evm Regioheld
Der Löschigel verfügt über verschiedene Aufsätze, wodurch die Intensität des Löschwassers reguliert werden kann.


Wo sieht er sich nach seinem Abitur 2022? Hat er Pläne? Einen? Ganz viele. Als Kind wollte er gerne Ingenieur und Erfinder – „aber das bin ich ja jetzt schon“ - werden, in den letzten vier Jahren hat sich sein Berufswunsch Richtung Medizin entwickelt. Aus diesem Bereich stammt auch sein zweites Projekt, welches in der Kategorie Physik den dritten Platz erlangte. Das kommt nicht von ungefähr. Als ausgebildeter Rettungssanitäter weiß er, wovon er spricht. Während seiner dreimonatigen Ausbildung ist er „herumgekommen“ in Deutschland. Die Theorie fand online statt, die Praxiszeiten in einer Klinik in Essen und einer Rettungswache in Magdeburg. So ganz nebenbei verrät er, dass er bereits als Juniorstudent in Rostock im Fachbereich Medizin studiert. „Ich bleibe offen für das, was kommen wird“, blickt Jan Heinemann zuversichtlich in die Zukunft.


Weitere Informationen 

Du willst Dich weiter über den Löschigel informieren?  Auf der Homepage von Jan Heinemann wirst Du bestimmt fündig: www.loeschigel.de