Wo sind sie zu finden?

Sankt Katharinen mit seinen etwas über 3.300 Einwohnern gehört zur Verbandsgemeinde Linz und zur Region Naturpark Rhein-Westerwald. Hauptaufgaben der Naturparke sind Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltbildung und nachhaltige Regionalentwicklung. „Unser Projekt Katringer Grünzeug passt also wunderbar hierher“, erklärt Martin Lang. Die Wegbeschreibung klang einleuchtend „und wenn Du denkst, es geht nicht mehr weiter, findest du „Katringer Grünzeug“. Es liegt rund einen Kilometer außerhalb des südlichen Dorfrandes von Sankt Katharinen, im Ortsteil Hinterlorscheid, an der Landstraße Richtung Steinshardt. Die Anbauflächen sind angegliedert an den ehemaligen alten Bauernhof Hinterlorscheid. „Das Schicksal hat uns diesen Hof geschenkt“, freut sich Martin Lang. Dort befinden sich 460 Quadratmeter Gewächshaus und 1,7 Hektar Freilandflächen.

Was wollen sie?

Die Lebensmittel sollen direkt aus der Region kommen, ohne überflüssigen Verpackungsmüll und ohne lange Transportwege dafür aber mit einem: mit Geschmack. Aus der Überzeugung heraus, dass dies realisierbar ist, wurde am 28.06.2020 die Gemüse-Genossenschaft Katringer Grünzeug gegründet.
„Mit dem Prinzip der sogenannten Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) können wir ökologisch und sozial sinnvoll wirtschaften, ohne Abhängigkeit von Großkonzernen, Zwischenhändlern und Zwängen des Marktes“, erläutert Marlon Reich, einer der Gründungsmitglieder und Gärtner.

Die neue Wortschöpfung „Prosument“ kennzeichnet die Gemeinschaft von Verbraucher und Produzent. Dahinter steht der Grundsatz, dass nur das produziert wird, was benötigt wird. Basisdemokratisch versteht sich. Das heißt auch, die Menschen einzubinden, an ihre Verantwortung zu appellieren. Nicht nur das, die Menschen sollen sie auch übernehmen und mitgestalten. Arbeit an und mit der Basis. Es ist wie mit dem Boden: „vitaler Boden, vitales Gemüses“, so Martin Lang. Damit fängt alles an und bildet ein gesundes Fundament.

Wer sind sie?

„Katringer Grünzeug“, das waren am Anfang 20 Menschen aus der Region in und um Sankt Katharinen bei Linz am Rhein: jung, alt, mehr Geld, weniger Geld, Träume, Ambitionen, die durch das gemeinsame Interesse an gesunder Ernährung, sowie an nachhaltig und ökologisch erzeugten Lebensmitteln verbunden sind. „Mittlerweile zählen wir mehr als 160 Mitglieder und es werden noch mehr“, so Martin Lang. Das Ziel von Katringer Grünzeug: ökologisch produziertes Gemüse aus der Region, „direkt vom Acker“. Mit dem Modell der Solidarischen Landwirtschaft kann das umgesetzt und ganz nebenbei auch noch faire Löhne bezahlt und tolle Projekte verwirklicht werden. „Bio heißt nicht automatisch, dass die Menschen fair bezahlt werden“, fügt Marlon Reich hinzu. „Bei uns schon.“

Welches Grünzeug?

Gesunde Ernährung, nachhaltiges Wirtschaften und ökologisch erzeugte Lebensmittel, um es auf einen Nenner zu bringen. Angebaut werden verschiedene Gemüse(-sorten) und Kräuter. Im Gewächshaus gedeihen die „Klassiker“, hauptsächlich Tomaten, Gurken und Stangenbohnen. Ein Drittel der Fruchtfolge ist Gründüngung. SoLaWi handelt aus einer Art „selbstauferlegten Bio-Zertifizierung“. Statt des Pflugs kommt die Spatenmaschine zum Einsatz, das ist nicht zuletzt dem Klimawandel mit seinen milden, feuchten Wintern geschuldet.

evm Regiohelden: Katringer Grünzeug
Gutes Gemüse gefällig? Transparenz vom Samenkorn bis in Deine Küche

Wer sind die Köpfe?

Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern. Einer von ihnen ist Martin Lang. Dem Vorstandssprecher liegt am Herzen, dass eine „Transparenz vom Samenkorn bis zur Küche“ besteht. Die Gründung sei schon eine Herausforderung gewesen: „Aber es ist uns gelungen in kürzester Zeit durch außergewöhnlichen Einsatz, vielfältige Ideen und große Begeisterung aller aus dem Gründungsteam diese Genossenschaft zu gründen.“

Marlon Reich, momentan Aufsichtsratvorsitz, erklärt: „Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft, das Gefühl, das Richtige zu tun und etwas von der Basis aus neu aufzubauen, ist das, was mich an diesem Projekt so begeistert.“ Er erläutert weiter, was SoLaWi alles tut, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dazu zählt etwa der aktive Humusaufbau, Förderung der örtlichen Biodiversität durch Integration von Bäumen, Blühwiesen und Hecken, die CO₂ speichern, recycelbare Pfandkisten statt Tüten und aktiver Bodenschutz gegen Erosion.

Sein Bruder Rico Reich, der ebenfalls als Gärtner tätig ist, sagt: „Natürliche Prozesse und das Gärtnern haben mich schon immer fasziniert. Der Bio-Gartenbau ist für mich die Möglichkeit, etwas Positives an unserer Gesellschaft beizutragen und gleichzeitig meinen Interessen nachzugehen.“

Wer darf mitmachen?

Nein, niemand MUSS mitarbeiten. Der Gemüseanbau wird von professionellen, von der Genossenschaft eingestellten Gärtnern, übernommen. Aber jeder einzelne darf natürlich gerne, nach Absprache, unter Anleitung der Profis, jäten, hacken und ernten. Und es sind viele, die kommen. Manager, Familien mit ihren Kindern, Naturliebhaber. Ihnen allen gemein ist, die Freude an der „handfesten“ Mitarbeit. Für die Jüngsten ist es ein spielerischer Zugang, sie lernen Kreisläufe kennen und wertzuschätzen und wissen, dass „Pommes frites nicht an Bäumen wachsen“.

„Wir nehmen unseren Bildungsauftrag mit dem Projekt sehr ernst“, meint Martin Lang. „Und freuen uns über die Vernetzung von Menschen, die etwas schaffen möchten.“

Was ist ihnen wichtig?

Übereinstimmend erklären sie, was ihnen wichtig ist: Die über Generationen entstandene Vielfalt der Region auch für die Zukunft erhalten, nicht gegen, sondern mit der Natur wirtschaften, keine Verwendung von chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln der konventionellen Landwirtschaft, Transparenz der Erzeugungswege, faire Bezahlung der Angestellten sowie Gemeinschaft und Begegnung.


Katringer Grünzeug eG i.G.

Hinterlorscheid 7

53562 Sankt Katharinen

Auf den Geschmack gekommen? Dann mach jetzt mit und informiere Dich hier: www.katringer-gruenzeug.de