„Wir reden mit“

In jedem Jahr findet in den Klassenstufen 6 ein Projekt im Fach Lernen im Team (LiT) statt. So auch 2020. Das Fach LiT unter dem Motto „Wir reden mit – unsere sozialen Projekte“ ist fest im Stundenplan der Stufen 5 und 6 verankert. Es wird eine Stunde pro Woche durch das Klassenleiterteam unterrichtet. In höheren Klassen jede zweite Woche. Inhalte sind in erster Linie Teamtraining, Soziales Training und Bewusstseinsschaffung.

In diesen sechs Wochen steht innerhalb des Unterrichts ein frei wählbares Projekt an. Die Qual der Wahl hatte auch die 6d im vergangenen Herbst, als alle noch zur Schule gehen durften. Die Schüler und Schülerinnen diskutierten drei mögliche Themen aus den Bereichen Soziales Engagement, Nachhaltigkeit/Umwelt und Ehrenamt. Anschließend stimmten sie in geheimer Wahl über die vorgestellten Projekte ab. Gewinner dieser Abstimmung war ein brandaktuelles Thema, die Lebensmittelverschwendung. Zusammen mit dem Klassenleiterteam Alicja Garus und Dr. Alexander Schneider machte sich die 6d an die Umsetzung. Dabei gab es viele gute Ideen.

Und Action! Viele gute Aktionen

Zunächst sammelten die Kinder Fakten rund um das Thema Lebensmittelverschwendung mit Hilfe von Quiz und Informationstexten. Schnell bildeten sich erste Meinungen und Lösungsansätze. Die Mädchen und Jungen begaben sich in den Computerraum und zogen das World Wide Web zurate, wie etwa die Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): www.zugutfuerdietonne.de

Brot/Brötchen, Obst, Kartoffeln und Wurst/Käse sind die Spitzenreiter der Lebensmittel, die in „die Tonne wandern“. Nachdem die Klasse das Video „Essen im Eimer – die große Lebensmittelverschwendung“ geschaut hatte, erkannten die Schüler und Schülerinnen globale Zusammenhänge, wie die Wertschöpfungskette, Ressourcenverschwendung sowie Hunger und Armut in der Welt. Doch damit nicht genug. Sie wollten noch mehr Antworten und befragten den Filialleiter einer Lebensmittelkette vor Ort. Die Sechstklässler hatten sich richtig interessante Fragen überlegt:

  • „Wie viele Lebensmittel wandern in den Müll?“
  • „Was genau wird wie häufig weggeschmissen?“
  • „Was wird gegen Lebensmittelverschwendung unternommen?“
  • „Dürfen Mitarbeiter Waren mitnehmen?“

 Die Antworten des Filialleiters notierten sie: „Es wird nichts weggeworfen, stattdessen spenden wir beispielsweise an Foodsharing und die Tafel. Nein, Mitarbeiter dürfen keine Waren mitnehmen.“ Erschreckend fanden sie die Zahl an „verschwendeten“ Lebensmittel. 12 bis 13 Tonnen. Pro Monat!

Die nächste Aktion: Verschwendungstagebuch führen. Die Schüler und Schülerinnen sahen sich eine Woche lang auch zu Hause um und jede und jeder von ihnen dokumentierte, von welchen Lebensmitteln sie am meisten wegwerfen. So entstand eine Liste mit den am häufigsten „verschwendeten“ Lebensmitteln. Im Anschluss starteten sie eine Internetrecherche mit Hilfe der Listen aus den Haushalten. Sie gaben die gewünschten Zutaten ein und erhielten Vorschläge. Diese druckten sie aus und schrieben ihren Favoriten mit der Hand ab. Die Rezepte wurden noch liebevoll bemalt und verziert und fanden ihr Zuhause in einer hübschen Ringbuchmappe. Herausgekommen ist ein kleines „Kunstwerk“.

Das Buch „Restlos“

Aus der ersten Eingebung „Stoppt Verschwendung – Essen ist kostbar“ entstand dieses eigene Kochbuch, basierend auf achtlos Weggeworfenem. Sein aussagekräftiger Titel ist „Restlos“. Es umfasst ungefähr 30 Seiten. Das Kochbuch wandert nun von Haushalt zu Haushalt und die Rezepte werden von den Kindern in den Familien reihum getestet, bewertet und fotografiert. Diese Bewertungen mit Fotos werden auf der schuleigenen LiT-Seite veröffentlicht. Von Kindern selber nachgekocht sind bereits der Griechische Bauernsalat und der „Süße Traum“.

Das "Restlos Kochbuch" der 6b 
So sieht das von den Schülern kreierte Kochbuch aus.


Lieblingsessen

Die drei Mädchen haben so ihre eigenen Vorlieben und Vorstellungen. Nele Kaufmann (11) mag Süßes. Das wird ganz deutlich an ihren ausgewählten Rezepten. „Ich habe zwei Rezepte aufgeschrieben. Einmal das Joghurt-Birnen-Brombeeren-Dessert. Das liegt daran, dass meine Schwester Malie so gerne Birnen isst. Und ich finde Brombeeren lecker“, erklärt sie lächelnd. Das zweite Dessert basiert auf Limetten. Sofia Brug (12) hat etwas ganz Ungewöhnliches für ein Mädchen ihres Alters gefunden: den „Gemüse-Fisch-Eintopf“. Sie ließ sich vom Namen und Klang des Rezeptes inspirieren. Kira Becker (12) konnte sich nicht zwischen Nudeln und Kartoffeln entscheiden und suchte ein Rezept für die „Kartoffel-Nudel-Pfanne“ heraus.

Herzenswünsche

„Einmal zusammen kochen, wenn auch nur online“, wünschen sich die drei Freundinnen. Oder das gemeinschaftliche Kochen in der Mensa der Schule, das eigentlich am Aktionstag hätte stattfinden sollen, nachholen. Oder die Bewohner des benachbarten Seniorenheims mal wieder zu einem Essen nach den Rezepten einladen. Wenn das Buch komplett fertig ist, soll es einen würdigen Platz erhalten. Vielleicht wird es auch noch ergänzt um neue Lieblingsrezepte. Oder gedruckt und vervielfältigt in kleiner Auflage. Wer weiß. Es gäbe bestimmt genug Interessenten.

Sandra Rosa, didaktische Koordinatorin, freut sich über den Einsatz der Mädchen und Jungen: „Die Schülerinnen und Schüler haben bei der Wahl ihres Projektes völlig freie Hand. Dennoch hat sich in den letzten Jahren so etwas wie eine Schulkultur entwickelt. Projekte zum Thema Nachhaltigkeit, Aufbereitung und ressourcenschonendes Leben allgemein wurden immer wieder gewählt und auch freiwillig außerhalb des Unterrichts vorbereitet und durchgeführt. Es zeigt einmal mehr, dass die junge Generation nicht gleichgültig ist, sondern bereit ist, anzupacken und sich einzusetzen.“


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