Woher kommt die Idee?

Die Idee der Marktschwärmerei stammt ursprünglich aus Frankreich. „Marktschwärmer ist Teil der gesellschaftlichen Bewegung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und gerechteres wirtschaftliches Handeln.“ Seit rund fünf Jahren bestehen solche Angebote auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Aktuell gibt es in Deutschland 140 Marktschwärmereien, wie auf der Internetseite der Marktschwärmer zu lesen ist. Wer in einer Marktschwärmerei einkaufen will, muss sich im Internet kostenfrei und nicht verpflichtend bei einer Schwärmerei registrieren. Sobald diese eröffnet, wird man per E-Mail informiert und kann dann auch Lebensmittel dort bestellen. Auch interessierte Erzeuger melden sich dort an. Die nächstgelegenen Marktschwärmereien zu Koblenz sind in Bonn und Köln sowie in der Nähe von Mainz und im Frankfurter Raum.


Warum hat sie gegründet?

Joana Kowalewski befand, dass es Zeit für etwas Neues sei. Vier Tage nach ihrem 40. Geburtstag führte sie 2021 den ersten Markttag ihrer Markschwärmerei durch. Am 30. April kamen Kunden und Erzeuger zusammen. Online und vor Ort. Ein wichtiges Kriterium für den Markplatz: er muss mietfrei sein. Diesen Standort fand sie auf dem Firmengelände des Groß- und Einzelhandelsbetriebes für Tiefkühlkost „Ranneberg“ in Lützel. Ein großer Hof mit Lagerhalle und Parkplätzen, wenn die Kunden mit dem Auto anreisen. „Besser wäre natürlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad“, meint die sympathische, zierliche Frau mit den dunklen Locken. „Bei Marktschwärmer legt dein Einkauf durchschnittlich nur 40 km zurück, bis er auf deinem Teller landet. In jeder Schwärmerei findest Du eine einzigartige Auswahl an regionalen Produkten.“ Diese Idee hat Joana Kowalewski überzeugt und gerät selbst ins Schwärmen. Sie lächelt ein ansteckendes Lächeln. Man spürt, sie ist gerne Gastgeberin und bringt Menschen aus guten Gründen zusammen.

„Mir ist es wichtig zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen.“ Nicht erst seit ihre Kinder – der 9-jährige Laurin und die Zwillinge Milea und Elisa (6) - auf der Welt sind. Aber mit der Geburt des Nachwuchses habe sie sich ganz stark damit beschäftigt, sagt sie. „Gute Ernährung spielt eine große Rolle.“

Marktschwärmer Koblenz
Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger, nachhaltig und ohne weite Transportwege. 


Neben der Qualifizierung im Bereich Erlebnispädagogik hat Joana Kowalewski auch zwei Jahre Erfahrungen in der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi) Stopperich im Kreis Neuwied gemacht. Die studierte Geografin beschloss dann, selbst eine Marktschwärmerei ins Leben zu rufen. „Für mich steht fest, wer Veränderung möchte, muss sie selbst in die Hand nehmen. Auf die Politik können wir nicht warten.“ Für den Start fand die Gastgeberin 15 Erzeuger, darunter „Produzenten“ von Grundnahrungsmittel wie Gemüse, Obst, Milch, Fleisch oder Brot. „Ohne die kann eine Marktschwärmerei nicht starten.“ Ihre Erfahrung: In der Zeit von Corona hatten Menschen Zeit und vor allem das Bedürfnis, sich mit Lebensmittel allgemein, aber auch aus der Region, zu beschäftigen. Transparenz gehe noch vor Zertifizierung, denn „der direkte Austausch mit dem Bauern wird immer wichtiger. Nicht das Siegel schafft Vertrauen, sondern der persönliche Bezug.“ 


Wie funktioniert das?

Anfang 2021 ging dann alles Schlag auf Schlag. Aber sie hatte Hilfe. In Berlin gibt es eine Zentrale der Marktschwärmer, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stand und steht. Die Zentrale stellt auch die Online-Plattform zur Verfügung. Joana Kowalewski erhielt Kontakte aus Bonn und Lehmen, findet einen Bio-Winzer, eine Bio-Molkerei und einen Bio-Obsthof. Damit kam die Sache ins Laufen. Wer sich kostenlos als Mitglied angemeldet hat, kann sich alles anschauen, die Mengen anklicken und kostenpflichtig bezahlen. Man kann sich auch über die Erzeuger und deren Höfe informieren. Einen Kaufzwang gibt es nicht. Letzter Bestelltag ist der späte Mittwochabend. Bis dahin muss alles online bestellt sein.

Marktschwärmer Koblenz
Auch frische Brote und Backwaren bieten die Marktschwärmer an. 


Ganz konkret

Die Auswahl der Erzeuger und des Angebots obliegt Joana. Aus Koblenz und dem Landkreis sind beispielsweise Betriebe aus Koblenz, Arzheim, Bendorf und Winningen dabei, darunter auch eine Schokoladenmanufaktur und ein Ölproduzent. Am 11. Juni – der siebten Verteilung nach der Eröffnung – treffen sich 14 Erzeuger mit insgesamt 266 Produkten (Grundnahrungsmittel plus Feinkost) bei Joana Kowalewski. Der Erzeuger muss sich bereiterklären, einmal pro Woche vor Ort zu sein. Nämlich dann, wenn die Kunden kommen, um sich ihre bestellte Ware abzuholen. Denn Marktschwärmer ist mehr als ein Onlineshop. Das Netzwerk besteht eben aus den regionalen Erzeugern, Gastgebern der lokalen Abholmärkte und den Mitgliedern, die alle das Ernährungssystem fairer und nachhaltiger gestalten. Der Erzeuger stellt seine Produkte selber ein und bestimmt auch den Preis, weil er am besten weiß, was seine Arbeit und seine Produkte wert sind. Der Kunde kauft direkt vom Erzeuger. Kosten für Zwischenhändler oder Marktgebühren gibt es nicht.

Jeden Freitag zwischen 16.30 und 18.30 Uhr treffen sich Erzeuger und Kunden in Koblenz-Lützel bei Joana Kowalewski auf dem Marktplatz. Was jeder Erzeuger daraus macht, bleibt ihm selbst überlassen. Der Abholer geht von Stand zu Stand und holt seine bestellten Waren ab. Es besteht die Möglichkeit zum Austausch, bald vielleicht auch wieder mit Probierhäppchen, um Appetit zu wecken. Kostenlos versteht sich.

Marktschwärmer Koblenz
Für Jeden was dabei: Obst, Gemüse, Milch, Fleisch und Käse - aber auch von den Produzenten selbst hergestellte Essige, Öle oder Schokoladen wird von den Marktschwärmern angeboten. 


Kann man davon leben?

Mittlerweile hat die Marktschwärmerei 418 (!) interessierte Mitglieder, sprich potenzielle Kunden. Vom Nettoumsatz der verkauften Waren bekommt das Unternehmen Marktschwärmer 10 Prozent Servicegebühr, die Gastgeberin, in diesem Fall Kowalewski, 8,35 Prozent. Richtig reich wird Joana Kowalewski nicht davon. Doch ihr Wunsch und Anliegen ist es, eine starke Gemeinschaft für regionale Lebensmittel aufzubauen, den Austausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern und nachhaltigen Konsum zu fördern. Mit zehn Stunden in der Woche sollte man hinkommen mit der Zeit für Werbung, Vorbereitung, Telefonate, Reklamationen und Stornos. „Das wird oft aber auch mehr“, erklärt die 40-Jährige. Die dreifache Mutter möchte für das Thema „gesunde Ernährung“ sensibilisieren. „Die Ernährungswende ist mein zentrales Anliegen.“ Sie lädt ein, auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sie investiert viel Zeit und Gedanken, bindet soziale Medien mit ein.


Marktschwärmerin Joana Kowalewski

Weitere Infos findest Du auf der Homepage

oder direkt bei der Gastgeberin Joana Kowalewski, E-Mail joana.kowalewski@gmx.de, Tel. 01573/159 07 79