Punkte für nachhaltiges Verhalten

Schwarzes Plastik ist umweltschädlicher als durchsichtiges. Das ist nur eine der vielen Fakten, die Florian Hauser aus Urbach und Thomas Lenz aus Großmaischeid während der zweijährigen Arbeit an ihrer Smart-Plastic-App gelernt haben. „Wir machen uns heute definitiv mehr Gedanken um das Thema Nachhaltigkeit und den bewussten Umgang mit Verpackungsmüll im Alltag“, erzählt Florian Hauser. Genau diesen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft zu fördern, ist auch die Idee hinter der App. Das Prinzip: Ein Bewertungssystem errechnet dem Benutzer seine persönliche Smart-Plastic-Punktzahl, in der Fachsprache Score genannt. Und dieser wiederum verrät, wie plastikfrei sich jemand in seinem Alltag verhält. Thomas Lenz erklärt die Funktion: „Die App kann die Größe, aber auch die Farbe der Plastikteile klassifizieren. Für jedes weggeworfene Teil gibt es dann eine Punktzahl, die sich zu einem Gesamtscore addieren lässt. Je kleiner dieser ausfällt, desto besser.“ Ein solches Punktesystem hat sich bereits bei klassischen Diäten bestens bewährt – und soll nun Nutzern auch bei ihrer Plastik-Diät helfen. 


Länderübergreifende Zusammenarbeit

Entwickelt haben die beiden Schulabgänger des Martin-Butzer-Gymnasiums in Dierdorf die App nicht im Alleingang. „Wir haben bei einem ERASMUS-Projekt mitgemacht und zwei Jahre lang mit Schülern aus Polen, Italien und Dänemark zusammen an der Realisierung der App getüftelt“, erklärt Thomas Lenz. Gemeinsam mit vier anderen Teammitgliedern betreuten die beiden die Programmierung. Florian Hauser ergänzt: „Wir sammelten in der Schule schon im Vorfeld erste Erfahrungen in diesem Bereich – und hatten den anderen deshalb etwas voraus. Mit einer App-Entwicklung beschäftigten wir uns allerdings auch das erste Mal.“ Doch nicht nur in den Bereichen IT und Nachhaltigkeit gab es einiges herauszufinden. Auch das Projektmanagement kam für die Nachwuchsforscher neu dazu. „Wir haben gelernt zu differenzieren, also was sich machen lässt und welcher Brocken wiederum zu groß ist. Außerdem stellte uns die länderübergreifende Zusammenarbeit vor Herausforderungen“, erinnert sich Florian Hauser. Tatkräftige Unterstützung fanden die beiden Jungforscher bei den Lehrern, die am Martin-Butzer-Gymnasium das Projekt betreuten. Und natürlich bei den zahlreichen Teammitgliedern.

Jugend forscht 2020 - 33. Regionalwettbewerb Koblenz
Thomas Lenz und  Florin Hauser Ende Februar beim 33. Regionalwettbewerb Koblenz von Jugend forscht.


Wertvolle Tipps für den Alltag 

Neben der Programmierung befassten sich die Schüler bei dem Projekt zudem intensiv damit, redaktionelle Inhalte für die App zu schreiben. Denn die App informiert die Nutzer in zahlreichen Beiträgen rund um das Thema Müllsparen, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Außerdem ist eine Karte mit Läden eingetragen, in denen es sich umweltbewusst und verpackungsarm einkaufen lässt. „In Koblenz gibt es beispielsweise einen Unverpackt-Laden, in dem alle Artikel lose, ohne Verpackungen angeboten werden. Solche Unternehmen möchten wir über die App unterstützen“, bringt es Thomas Lenz auf den Punkt. So bündelt und fördert die App unterschiedliche Ansätze, um das Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft weiter voranzubringen. 



Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsprojekt

Unterm Strich ist nämlich nicht nur die Entwicklung einer App eine Gemeinschaftsaufgabe. Der gesellschaftliche Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz kann nur dann gelingen, wenn alle dabei mitmachen. Dieser Community-Gedanke, den die junge Generation zudem mit ihren Fridays-for-Future-Demonstrationen mit Leben füllt, spielt am Ende auch bei der Smart-Plastic-App eine entscheidende Rolle. Florian Hauser erläutert: „Für sich betrachtet, sagt der Smart-Plastic-Score zunächst einmal recht wenig aus. Erst dann, wenn man ihn in Relation zu der Punktzahl anderer Nutzer setzt, gewinnt er an Bedeutung.“ Ein Effekt, der zum Erfolg vieler bekannter digitaler Angebote wie beispielsweise Sport-Apps beiträgt. Um den Zugang zur App möglichst vielen Nutzern zu ermöglichen, soll sie kostenlos zur Verfügung stehen, sobald sie die Beta-Phase durchlaufen hat. Vorher müssen die beiden jungen Männer, die in diesem Jahr ihr Abitur absolvierten, allerdings noch einige Hürden in Sachen Datenschutz nehmen.


Mehr zum Regionalwettberwerb Koblenz von Jugend forscht und Schüler experimentieren liest Du hier.


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