
LAHNSTEIN. Mit dem möglichen Aufbau von drei weiteren Wärmenetzen, der Umstellung von Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen sowie dem Bau des bereits geplanten Windparks auf der Lahnhöhe kann die Stadt Lahnstein die gesteckten Klimaziele deutlich näherkommen. Das ist das zentrale Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die im Rahmen einer sehr gut besuchten Informationsveranstaltung den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt wurde.
Vertreterinnen und Vertreter der Energieversorgung Mittelrhein (evm) sowie des Beratungsunternehmens endura kommunal präsentierten die Ergebnisse in der Stadthalle. Die Analyse zeigt: Während sich dicht besiedelte Stadtteile für neue Wärmenetze eignen, sind in weniger verdichteten Gebieten individuelle Lösungen wie Wärmepumpen gefragt. Ziel ist es, bis spätestens 2045 klimaneutral zu heizen. Im Rheinquartier und im Bereich der Kaserne wurden die Hausaufgaben bereits erledigt: Dort bestehen bereits Wärmenetze, die klimaneutral betrieben werden können.
Die Herausforderungen sind dennoch groß, wie Hubertus Hacke-Dietze von der evm betonte: 89 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet werden mit Erdgas beheizt. Auch die Alter der Gebäude sowie der Heizungsanlagen spielt eine große Rolle, wenn es um die Frage geht, wie und wie schnell eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu realisieren ist. 82 Prozent der Gebäude wurden vor 1978 gebaut, und rund 40 Prozent der Heizungen sind bereits älter als 20 Jahre und haben damit die technische Lebensdauer überschritten.
Abwärme als Chance
Wie also kann die Transformation gelingen? Die entsprechende Strategie stellte Projektleiterin Evelin Glogau von endura kommunal auf Basis umfangreicher Datenauswertungen vor. Dabei kann Lahnstein von nennenswerten Abwärmepotenzialen profitieren. Diese sind beispielsweise im Bereich Abwasser, aber auch bei Industriebetrieben zu finden. „Relevante Mengen sind derzeit ungenutzt und gehen einfach in die Luft“, erläuterte die Expertin. Auch die beiden Flüsse Rhein und Lahn könnten für den Betrieb von Wärmenetzen genutzt werden, indem Flusswasserwärmepumpen wie etwa in Mannheim installiert werden. Für die Errichtung von Wärmenetzen eignen sich laut Plan die Kerngebiete von Oberlahnstein und von Niederlahnstein sowie auf der Lahnsteiner Höhe.
Individuelle Lösungen für weitere Stadtgebiete
In den übrigen Stadtgebieten, die sich nicht für Fernwärme eignen, geht es um individuelle Lösungen für die jeweiligen Gebäude. In vielen Fällen ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe das Mittel der Wahl. Auch Solarthermie könnte zum Einsatz kommen. Neben dem reinen Umstieg auf klimaneutrale Wärmelösungen geht es aber auch um die Reduzierung des Energiebedarfs, wie die Planer von evm und endura im Wärmeplan festhalten. Der Umstieg auf moderne, effiziente Heizarten verringert dabei den Energiebedarf ebenso wie die Sanierung von Gebäuden, etwa durch eine Verbesserung der Dämmung. Notwendig ist laut Plan eine Sanierungsquote von jährlich zwei Prozent oder umgerechnet 114 Gebäuden im Jahr. Um den zusätzlichen Strombedarf für den Betrieb von Wärmepumpen zu decken, sieht der Wärmeplan zudem einen Ausbau der erneuerbaren Energie aus. Der von Stadt und evm geplante Windpark Lahnhöhe reicht aus, um die erforderlichen Mengen bereitzustellen.
„Die kommunale Wärmeplanung zeigt klar, dass wir in Lahnstein gute Chancen haben, unsere Wärmeversorgung Schritt für Schritt klimaneutral aufzustellen. Entscheidend ist, dass wir die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig informieren und sie auf diesem Weg mitnehmen“, so Bürgermeister Johannes Lauer, der vertretend für den erkrankten Oberbürgermeister Lennart Siefert die Veranstaltung eröffnete.
Bürgerfragen: Fernwärmeausbau und Zeitschiene
In der anschließenden Fragerunde drehten sich die meisten Fragen der Bürgerinnen und Bürger um neue Wärmenetze. Viele wollten wissen, wann feststeht, ob diese entstehen und wann mit einer Realisierung zu rechnen ist. Für die evm erklärte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom, dass im nächsten Schritt zunächst Machbarkeitsstudien für die drei Gebiete erstellt werden müssten. Fällt das Ergebnis positiv aus, muss ein Betreiber gefunden werden, der die Wärmenetze bauen möchte. „Wenn sich genügend Interessenten finden, die einen Anschluss wünschen, stehen die Chancen für eine Realisierung gut“, so Peerenboom.
Individuelle Beratung durch Experten
Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre individuellen Fragen mit Experten zu besprechen. Hierfür standen neben die Energieberater Patrik Brings und Miguel Martinez zur Verfügung. Sie gaben unter anderem Auskunft darüber, welche Sanierungsmaßnahmen in Wohnhäusern sinnvoll ist und welche Fördermöglichkeiten es aktuell gibt.
Den kompletten Wärmeplan inklusive der entsprechenden Karten finden Bürgerinnen und Bürger im Internet: https://www.lahnstein.de/wärmeplanung

