KOBLENZ. Die Stadt Koblenz, die Stadtwerke Koblenz und die Energieversorgung Mittelrhein (evm) treiben gemeinsam die Wärmewende vor Ort voran. Seit dem Beschluss der kommunalen Wärmeplanung im November 2024 ist viel passiert; die nächsten Schritte sind bereits in Vorbereitung. Ziel bleibt eine bezahlbare, verlässliche und zunehmend klimafreundliche Wärmeversorgung für die Menschen in Koblenz.
Was bedeutet die Wärmeplanung konkret?
Die kommunale Wärmeplanung gibt eine wichtige Orientierung: Welche Lösungen sind in welchem Stadtteil sinnvoll? Wo kann ein Wärmenetz entstehen, und wo sind individuelle Heizlösungen gefragt? Dabei gilt: Für Bürgerinnen und Bürger besteht weiterhin Wahlfreiheit. Neben Wärmenetzen oder Wärmepumpen sind auch Hybridlösungen möglich. Der Gesetzgeber will im Rahmen des Gebäudemodernisierungsgesetzes auch Gas- und Ölheizungen zulassen, allerdings künftig mit einem steigenden Anteil klimafreundlicher Energien.
Neue gesetzliche Rahmenbedingungen im Blick
Der Bund arbeitet aktuell an der Weiterentwicklung des Gebäudeenergiegesetzes. Ziel ist es, mehr Flexibilität und Planungssicherheit zu schaffen. Geplant ist die Einführung einer Bio-Treppe: Neue Öl- und Gasheizungen sollen ab 2029 mit einem verbindlich steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden, der schrittweise von anfangs zehn Prozent auf 60 Prozent im Jahr 2040 anwachsen soll.
Das bisherige Gebäudeenergiegesetz hätte für Koblenz zur Folge gehabt, dass bei neuen Heizungen ab dem 1. Juli 2026 eine 65-Prozent-Regel gegolten hätte. Sowohl die Frist als auch die genannte Regel will die Bundesregierung nun streichen.
Die Auswirkungen auf die Stadt Koblenz wertet Oberbürgermeister David Langner so: „Die Wärmeplanung für Koblenz bleibt verlässlich. Auch wenn sich gesetzliche Vorgaben ändern, halten wir als Stadt am eingeschlagenen Weg fest, weil wir den Bürgerinnen und Bürgern sagen wollen, wie warmes Wasser und Heizen planbar und bezahlbar bleiben.“
Deutliche Fortschritte in Koblenz
Seitdem der Koblenzer Stadtrat im November 2024 als eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz den Wärmeplan beschlossen hat, hat sich einiges getan: In mehreren Fokusgebieten wird bereits konkret an Lösungen gearbeitet:
- Rauental: Die beiden bestehenden Wärmenetze sollen dekarbonisiert werden, sprich dass sie deutlich weniger oder gar kein Kohlendioxid mehr verursachen. Außerdem gibt es konkrete Pläne für eine Vergrößerung der Wärmenetze, beispielsweise durch eine Kooperation der beiden Wärmenetzbetreiber. Der Wärmeplan hatte ergeben, dass die Voraussetzungen für ein größeres Wärmenetz im Rauental ideal sind.
- Karthause: Auch der Stadtteil Karthause ist im Wärmeplan als Fokusgebiet gekennzeichnet. Hier wurde ein geeignetes Kerngebiet für ein neues Wärmenetz identifiziert. Insbesondere der Bereich rund um das Bundesarchiv, den Berliner Ring und das Flugfeld zeigt Potenzial. Als zentrale Wärmequellen wurden unter anderem Großwärmepumpen und Hackschnitzel-Kessel ermittelt.
- Altstadt: Umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass ein flächendeckendes Wärmenetz aufgrund der komplexen Infrastruktur entgegen der ursprünglichen Annahme nicht umsetzbar ist. Stattdessen werden kleinere, dezentrale Insellösungen geprüft, etwa im Bereich Weindorf, rund um St. Kastor oder im Umfeld einzelner Schulstandorte. Potenziale bestehen insbesondere in der Nutzung von Abwasser- und Rheinwasser.
- Industriehafen: Das Gebiet rund um den Industriehafen mit den Stadtteilen Kesselheim und Wallersheim ist als Prüfgebiet ausgewiesen. Derzeit ist eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die für die zukünftige Wärmeerzeugung Klarheit bringen soll. Hieran beteiligen sich neben Stadtwerken und evm auch Unternehmen aus diesem Gebiet finanziell und personell. Die Studie wird durch Bund und Land gefördert.
Für Hauseigentümer und Wohnungsbesitzer heißt dies konkret: Wer in diesen Gebieten und den weiteren potenziellen Wärmenetzgebieten nach dem Wärmeplan Eigentum hat, sollte die Entwicklung weiterhin beobachten. Für alle anderen Gebiete gilt der Grundsatz der dezentralen Versorgung. „In vielen Fällen wird dort eine Wärmepumpe das Mittel der Wahl sein“, erläutert evm-Vorstand Christoph Hesse. Neue Gas- und Ölheizungen seien zwar möglich, aber nicht zuletzt aufgrund potenziell steigender Kosten nicht empfehlenswert. Bürgern in den genannten Stadtteilen rät Hesse, die weiteren Entwicklungen im Blick zu behalten. Sein Tipp: „Die Chance, sich an ein Wärmenetz anzuschließen, sollte man nicht verpassen.“
Dynamischer Prozess
„Die Wärmeplanung ist kein starres Konzept, sondern ein dynamischer Prozess. Mit den laufenden Machbarkeitsstudien gehen wir jetzt gezielt in die Tiefe und schaffen die Grundlage für konkrete Projekte in den einzelnen Stadtteilen. Gleichzeitig behalten wir die Entwicklungen auf Bundesebene genau im Blick“, erklärt Lars Hörnig, Geschäftsführer der Stadtwerke Koblenz, die die Wärmeplanung steuert. Ein Partner ist hierbei die Energieversorgung Mittelrhein (evm). „Wir stehen bereit als Partner der Wärmewende für Koblenz“, betont Vorstand Christoph Hesse. „Die Wärmewende ist eine langfristige Aufgabe. Nicht alles lässt sich sofort umsetzen. Aber wir sehen bereits heute konkrete Fortschritte. Gemeinsam mit unseren Partnern bringen wir die Projekte Schritt für Schritt voran und stehen den Bürgerinnen und Bürgern als verlässlicher Partner zur Seite, auch was individuelle Lösungen angeht.“
Erneuerbare Energien ausgebaut
Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien macht gute Fortschritte. Die installierte Leistung der Photovoltaikanlagen konnte innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöht werden. Sie stieg von 961 kWp im Frühjahr 2024 auf 2.171 kWp im März 2026.
Das Ziel ist, bis Ende 2027 insgesamt 5 MW Photovoltaikleistung zu erreichen. Bereits zum Ende dieses Jahres werden voraussichtlich rund 70 Prozent dieses Ziels erreicht sein.
Auch die Maßnahmen der KO-Solar GmbH zeigen Wirkung: Im laufenden Jahr wird das Ende 2024 von Stadt, Stadtwerke und evm gegründete Unternehmen die Marke von 1 MW installierter Leistung überschreiten.
„Die Wärmewende gelingt nur gemeinsam. Unser Ziel ist klar: Heizen muss bezahlbar sein. Mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung stärkt unsere Handlungsfähigkeit und schafft die Chance auf stabile Kosten. Die Stadt gestaltet diesen Wandel im Sinne der Koblenzerinnen und Koblenzer aktiv und verantwortungsvoll mit“, so Oberbürgermeister David Langner.
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Stadt Koblenz, die Stadtwerke Koblenz und die Energieversorgung Mittelrhein (evm) betonen: Die Wärmewende in Koblenz ist ein Prozess, der kontinuierlich weiterentwickelt wird. Ziel ist es, praktikable, bezahlbare und zukunftssichere Lösungen für alle Menschen in der Stadt zu schaffen.
Weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen finden Interessierte unter:
https://www.waermeplanung-koblenz.de. Am 15. Juni befasst sich zunächst der Haupt- und Finanzausschuss mit den Themen, am 25. Juni dann der Koblenzer Stadtrat.

