Kurz zusammengefasst

  • Kira Franz und Mia Anna Proksch entwickelten ein eigenes Tiptoi-Lernbuch zum Deutschlernen.
  • Ausgangspunkt waren Kinder aus der Ukraine an ihrem Privaten Johannes-Gymnasium in Lahnstein.
  • Bilder von Alltagsgegenständen werden mit gesprochenen deutschen Begriffen verbunden.
  • Möglich wird das über optische Identifikationscodes, sogenannte OID-Codes.
  • Kira konzentrierte sich vor allem auf Technik und Programmierung, Mia Anna auf Gestaltung und Design.
  • Das Projekt belegte den ersten Platz im Fachgebiet „Informatik/Mathematik“ beim Regionalwettbewerb Koblenz von „Jugend forscht/Schüler experimentieren“.
  • Zusätzlich erhielten die Schülerinnen einen Sonderpreis des ZONTA Clubs Koblenz.

Die zwei Freundinnen beschäftigten sich im Rahmen des Wahlfaches „Naturwissenschaften“ mit der Frage, wie sie Kindern aus der Ukraine beim Deutschlernen helfen können. „An unserer Schule – dem Privaten Johannes-Gymnasium Lahnstein - sind auch einige Kinder, die aufgrund des Krieges mit ihren Eltern geflohen sind“, berichtet Kira. Die Idee der Schülerinnen: ein Lernbuch zu entwickeln, das mit dem Tiptoi-Stift von Ravensburger bedient werden kann.

Mit Tiptoi spielerisch Deutsch lernen

Vielen ist vermutlich der Tiptoi im heimischen Spielregal aus eigenen Kindheitstagen oder als Eltern von Kindern ein Begriff. Ihn kennt fast jeder und er ist erschwinglich in der Anschaffung. „Der Tiptoi ist populär und günstig“, bringt es Mia Anna auf den Punkt. Das waren Argumente für sie und Kira, sich in ihrem Wahlpflichtfach mit einem Projekt rund um diesen Stift für Jugend forscht zu befassen. Die beiden besuchen seit letztem Herbst die Klassenstufe 10 und begannen im September 2022 mit ihren „Experimenten- und Forschungsaufgaben“. Zunächst nur in der Schule, später arbeiteten sie auch zu Hause an ihrem Thema weiter. Mia Anna und Kira zeichneten zahlreiche Gegenstände aus dem Alltag, programmierten den jeweils zugehörigen Code, der vom Tiptoi-Stift erkannt wird und gestalteten daraus ein Lernbuch. Wer mit dem Stift eines der Bilder berührt, hört anschließend, wie dieser Gegenstand auf Deutsch heißt. So die Kurzversion ihres Projektes für „Jugend forscht“.

Wie funktioniert das Tiptoi-Lernbuch?

Intelligente Elektronik als Spielzeug: das ist der Tiptoi-Stift. Der Stift hat es in sich, so viel steht fest. „Woher weiß der Stift eigentlich, was er gerade anzeigt?“ Dieser grundsätzlichen Frage mussten die beiden Mädchen nachgehen, wollten sie ihre Idee in die Tat umsetzen. Ein feines, regelmäßiges Muster aus schwarzen Punkten entspricht einer Zahl, dem sogenannten optischen Identifikationscode OID ("Objekt-Identifier“). Der Stift erkennt über eine Infrarot-Kamera in seiner Spitze dieses Muster und spielt eine abgespeicherte Audio-Datei ab, wenn er über diesen Code gehalten wird. In dem Buch von Mia Anna und Kira erklingt allerdings nicht mehr eine blecherne, elektronische Stimme, sondern die angenehme Stimme einer Mitschülerin, die sich bereit erklärte, diese Aufgabe zu übernehmen.

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© Sascha Ditscher/evm


Das sogenannte tttool machte es relativ komfortabel, ihre Ideen in und mit dem Stift zu realisieren. Zum Drucken bedurfte es eines Laserdruckers, den es in der Schule gab. Sowieso war viel Fingerspitzengefühl angesagt in diesem Projekt. Denn - entspricht das gedruckte Punktebild nicht genau der Skalierung, kann auch der Stift nicht funktionieren. Das Muster besteht aus 4x4 Punkten pro Quadratmillimeter und ist mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.

Kira kannte sich mehr mit der Technik und Programmierung aus. Also kümmerte sie sich hauptsächlich darum. Für jedes Buch muss der Stift neu „geeicht“ werden. Würde das nicht geschehen, benötigt man unendlich viele Codes. Bei der Anordnung der Punkte gibt es mehr als 10 000 Möglichkeiten.

Mia Annas Schwerpunkt lag dafür mehr in der grafischen Gestaltung und dem Design des Buches. Darin finden sich ansprechende Zeichnungen. Vorab hatten sie eine Liste mit Wörtern erstellt, die im Alltagsgebrauch benutzt werden; in verschiedene Kategorien unterteilt, wie etwa ein Haus mit seinen Räumen, gebräuchlichen Gegenständen, Obst und Gemüse, Farben und Redewendungen. Die zweite Version wurde ergänzt um Sachen, die man im Alltag erledigen muss, wie etwa den Besuch beim Arzt oder den Einkauf beim Bäcker oder im Supermarkt.

Erfolg bei „Jugend forscht“ in Koblenz

Kira ist zum dritten Mal bei „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ dabei. In der sechsten Klasse war sie das erste Mal am Start.
Und 2020 dann ihre zweite Teilnahme. Damals war sie Bienen-AG Teilnehmerin. In dem Jahr erhielt sie für ihren „Bienenroboter“ einen Sonderpreis für fachübergreifende MINT Fächer (plusMINT für interdisziplinäre Projekte) mit ihrer Arbeit „Biorobotik - wie wir mit Robotern die Natur verstehen“. Auch Mia Anna hat in der sechsten Klasse schon an einem „Jugend forscht“-Wettbewerb teilgenommen.

 

Nach dem Wettbewerb geht die Arbeit weiter

Mit dem Wettbewerb war das Lernbuch noch nicht abgeschlossen. Für die nächste Runde wollten die Schülerinnen ihre Programme weiter auf Fehler prüfen, Details vervollständigen und zusätzliche OID-Codes in das Buch aufnehmen.

Ihre unterschiedlichen Interessen verfolgen beide auch außerhalb des Projekts weiter: Kira malt, bastelt, spielt mehrere Flöten und ist bei den Pfadfindern aktiv. Später möchte sie im Bereich Cybersecurity arbeiten. Mia Anna zeichnet und malt gerne.

Fazit

Das Tiptoi-Projekt von Kira Franz und Mia Anna Proksch verbindet eine konkrete Idee zur Unterstützung beim Deutschlernen mit Programmierung und Gestaltung. Aus Bildern, OID-Codes und eingesprochenen Begriffen entstand ein Lernbuch für wichtige Wörter und Situationen des Alltags.

Der Erfolg beim Regionalwettbewerb in Koblenz zeigt zugleich, wie junge Menschen MINT-Wissen einsetzen können, um eine konkrete Herausforderung aus ihrem eigenen Umfeld aufzugreifen.

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