Kurz zusammengefasst

  • Franziska Dichter und Nora Faltis untersuchten die Körperhaltung bei der iPad-Nutzung.
  • An der Untersuchung beteiligten sich 56 Schülerinnen und Schüler.
  • Die Körperhaltung wurde in drei verschiedenen Situationen betrachtet.
  • Spezielle Kameras zeichneten die Probandinnen und Probanden von vorne und von der Seite auf.
  • Zusätzlich erfasste ein Fragebogen unter anderem Angaben zu Kopf- und Nackenschmerzen.
  • Mehr als 20 Teilnehmende konnten ihre eigene Körperhaltung nicht einschätzen.
  • Die Schülerinnen empfehlen ihrer Schule unter anderem höhenverstellbare Tische und Stühle.
  • Das Schülerprojekt entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz.


Wenn aus einer Alltagsbeobachtung eine Forschungsfrage wird

Tablets gehören für viele Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag. Am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz werden laut den Angaben zum Projekt seit dem Schuljahr 2020/21 neue Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 über den Digitalpakt mit iPads ausgestattet.

Für Franziska Dichter und Nora Faltis ergab sich daraus eine Forschungsfrage: Schadet die iPad-Nutzung im Unterricht unserer Körperhaltung?

Den Anstoß dazu erhielten die Freundinnen bei einem Ausflug der Jugend-forscht-AG ihrer Schule zur Universität Koblenz. Dort hörten sie einen Vortrag über den Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und der Körperhaltung.

Aus dem Impuls entstand schließlich ein eigenes Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe VisSim am Institut für Medizintechnik und Informationsverarbeitung MIT Mittelrhein der Universität Koblenz.

So untersuchten die Schülerinnen die Körperhaltung

Um ihre Forschungsfrage systematisch zu untersuchen, entwickelten Franziska und Nora ein eigenes Konzept. Schülerinnen und Schüler aus der fünften, sechsten, siebten und zwölften Klassenstufe wurden während der Nutzung eines iPads aufgenommen.

Dafür standen spezielle Kameras zur Verfügung. Sie erfassten die Teilnehmenden sowohl seitlich als auch von vorne.

Parallel entwickelten die Schülerinnen einen digitalen Fragebogen. Darin wurden beispielsweise Körpergröße und Gewicht erfasst. Weitere Fragen beschäftigten sich mit Kopf- und Nackenschmerzen. Für die Auswertung des Fragebogens nutzten die beiden SoSci Survey.

Drei Positionen im Vergleich

Für die Aufnahmen betrachteten Franziska und Nora drei Situationen:

  1. Die Probandinnen und Probanden saßen aufrecht und blickten auf einen festen Punkt. Die Position des iPads konnten sie selbst wählen.
  2. Das iPad lag flach auf dem Tisch. Die Teilnehmenden malten oder schrieben darauf und blickten dabei auf das Display.
  3. Die Probandinnen und Probanden wählten ihre Position selbst und schrieben etwas auf dem Tablet.

Jede Position wurde fünf Sekunden lang gehalten und dabei aufgezeichnet.

Damit verband das Experiment eine kontrollierte Versuchssituation mit Positionen, die der Tablet-Nutzung im Alltag näherkommen.

Körperhaltung anhand konkreter Punkte untersuchen

Bei der Auswertung betrachteten die jungen Forscherinnen festgelegte Punkte des Körpers. Dazu gehörten unter anderem der siebte Halswirbel, das Ohr, der äußere Augenwinkel, die Nasen- und Kinnspitze sowie Punkte an den Schultern.

Aus jedem ausgewählten Jahrgang druckten sie von jeweils drei Probandinnen beziehungsweise Probanden drei frontale und drei seitliche Aufnahmen aus.

Dann markierten Franziska und Nora die relevanten Körperpunkte mit unterschiedlichen Farben. Durch Verbindungslinien entstanden Winkel, die sie anschließend mit dem Geodreieck bestimmten.

evm magazin
Sascha Ditscher, © Sascha Ditscher/evm

 

Was festgestellt wurde

Es haben insgesamt 56 Probanden teilgenommen, 31 Jungen und 25 Mädchen. Das Durchschnittsgewicht lag bei circa 49 kg, die durchschnittliche Größe bei 1,63 Metern und das durchschnittliche Alter bei 12 Jahren. Eine interessante Feststellung war, dass über 20 Personen nicht wussten, wie ihre Körperhaltung ist. „Uns hat überrascht, dass knapp über die Hälfte der Teilnehmer dachten, ihre Haltung wäre nicht stark gebeugt.“ Ebenfalls auffällig war, dass zwar deutlich über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kaum an Nackenschmerzen leidet, jedoch nach der Schule zu Hause mehr Schmerzen auftreten als im Unterricht selbst. „50 Prozent der Probanden leidet im Unterricht gar nicht an Nackenschmerzen. Das heißt, dass sie entweder die Schmerzen nicht merken, weil sie konzentriert sind oder die Schmerzen erst später auftreten.“

Weiterhin ist den beiden aufgefallen, dass keiner der Probanden Zuhause nicht am Tablet oder Smartphone ist.
„Die Nutzungsdauer liegt hier bei durchschnittlich zwei bis drei Stunden. Es gibt kaum eine Person, die weniger als eine Stunde am digitalen Gerät ist. Im Gegensatz dazu gibt es über zehn Probanden, die ihr Gerät mehr als drei Stunden pro Tag nutzen.“ Als ein Verbesserungsvorschlag an die Schule empfehlen die beiden Forscherinnern, Tische und Stühle anzuschaffen, die höhenverstellbar sind.


Was das Projekt über die Tablet-Nutzung zeigte

An der Untersuchung nahmen 56 Personen teil: 31 Jungen und 25 Mädchen. Nach Angaben der Schülerinnen betrug das durchschnittliche Alter rund zwölf Jahre, die durchschnittliche Körpergröße 1,63 Meter und das durchschnittliche Gewicht circa 49 Kilogramm.

Interessant war dabei nicht nur die gemessene Haltung, sondern auch die Selbsteinschätzung.

Mehr als 20 Teilnehmende wussten laut den Ergebnissen nicht, wie ihre eigene Körperhaltung aussieht. Knapp mehr als die Hälfte ging davon aus, nicht stark gebeugt zu sitzen.

Was ergab die Befragung zu Nackenschmerzen?

Auch Nackenschmerzen waren Teil der Untersuchung. Nach den Projektergebnissen gab die Hälfte der Teilnehmenden an, während des Unterrichts keine Nackenschmerzen zu haben.

Die Schülerinnen stellten gleichzeitig fest, dass zu Hause nach der Schule mehr Beschwerden angegeben wurden als im Unterricht selbst.

Wichtig für die Einordnung: Aus diesen Beobachtungen allein lässt sich keine medizinische Ursache ableiten. Das Projekt beschreibt Zusammenhänge innerhalb der untersuchten Gruppe. Es ersetzt keine medizinische Untersuchung.

Digitale Geräte spielen auch nach der Schule eine Rolle

Das Thema endet nicht mit dem Unterricht. Nach den Angaben der beiden Schülerinnen nutzten alle Teilnehmenden auch zu Hause ein Tablet oder Smartphone.

Die durchschnittlich angegebene Nutzungsdauer betrug zwei bis drei Stunden pro Tag. Kaum jemand gab weniger als eine Stunde an, während mehr als zehn Teilnehmende ihr Gerät länger als drei Stunden täglich nutzten.

Damit lenkt das Projekt den Blick auf eine interessante Frage: Nicht nur die Nutzung digitaler Geräte in der Schule kann für weitere Forschung relevant sein, sondern auch der Umgang mit Tablet und Smartphone im Alltag.

Welche Verbesserungen schlagen die Schülerinnen vor?

Aus ihren Beobachtungen leiteten Franziska und Nora auch einen konkreten Vorschlag für ihre Schule ab: höhenverstellbare Tische und Stühle.

Gleichzeitig betrachten sie ihr Projekt nicht als abgeschlossen. In ihrem Forschungsansatz ergeben sich weitere Fragen, beispielsweise:

  • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Körpergröße, Gewicht, Alter und den beobachteten Haltungen?
  • Verändert eine mehrjährige Tablet-Nutzung die Körperhaltung?
  • Gibt es Unterschiede zwischen Links- und Rechtshändern?
  • Unterscheiden sich sportlich aktive und weniger aktive Schülerinnen und Schüler bei Nacken- und Rückenbeschwerden?

Das zeigt einen wesentlichen Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens: Ein Ergebnis kann Ausgangspunkt für neue Fragen sein.

Fazit

Das Koblenzer Schülerprojekt macht aus einer alltäglichen Situation eine konkrete Forschungsfrage: Was passiert mit unserer Körperhaltung, wenn wir am Tablet arbeiten?

Franziska Dichter und Nora Faltis untersuchten dafür 56 Schülerinnen und Schüler, kombinierten Fotoaufnahmen mit einer Befragung und werteten unterschiedliche Körperpositionen aus. Besonders spannend ist dabei auch die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Untersuchung: Mehr als 20 Teilnehmende wussten nicht, wie ihre eigene Körperhaltung aussieht.

Damit liefert das Projekt vor allem eines: gute Ausgangspunkte, die Wirkung unserer täglichen Tablet-Nutzung genauer zu untersuchen.

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