Kurz zusammengefasst

  • Der Krieg im Nahen Osten hat 2026 zu deutlichen Schwankungen an den internationalen Energiemärkten geführt.
  • Besonders Erdöl und Erdgas reagierten zeitweise mit starken Preisausschlägen.
  • Für deinen Energiepreis ist aber nicht allein der aktuelle Börsenpreis entscheidend.
  • Auch die Beschaffungsstrategie eines Energielieferanten und die Regelungen deines Vertrags spielen eine wichtige Rolle. Das bestätigt auch die aktuelle Einschätzung der Bundesnetzagentur.
  • Die Gasversorgung in Deutschland ist aktuell stabil.

Energiemärkte unter Druck: Was steckt dahinter?

Politische Konflikte können die internationalen Energiemärkte schnell beeinflussen. Das hat der Krieg im Nahen Osten 2026 besonders deutlich gezeigt.

Seit Beginn des Konflikts Ende Februar stiegen die Preise für wichtige Energierohstoffe zunächst stark an. Eine Auswertung im Wirtschaftsdienst zeigt: Am 19. März lagen die betrachteten Erdgaspreise rund 71 Prozent über dem Niveau vom 27. Februar. Der untersuchte Energiepreisindex stieg im gleichen Zeitraum um rund 61 Prozent. Danach gingen die Preise wieder deutlich zurück, bevor weitere kurzfristige Ausschläge folgten.

Auch amtliche Daten zeigen die Auswirkungen: Im März 2026 lagen die deutschen Importpreise für Erdöl 14,8 Prozent und für Erdgas 8,8 Prozent höher als im Vormonat.

Das macht deutlich: Großhandelspreise für Energie können auf geopolitische Ereignisse sehr kurzfristig reagieren.

Warum wirkt sich der Nahost-Konflikt auf Energiepreise aus?

Ein Grund ist die Bedeutung des Nahen Ostens für den internationalen Energiehandel. Konflikte können Fördermengen, Handelswege und Transportmöglichkeiten beeinträchtigen. Gleichzeitig reagieren Händler auf das Risiko möglicher Lieferausfälle.

Deutschland importierte 2025 allerdings lediglich 6,1 Prozent seines Rohöls direkt aus dem Nahen Osten. Wichtigster Lieferant war Norwegen mit einem Anteil von 16,6 Prozent, knapp gefolgt von den USA mit 16,4 Prozent.

Beim Erdgas hat sich die Versorgungssituation gegenüber der Energiekrise 2022 ebenfalls verändert. Deutschland verfügt inzwischen über mehrere Terminals für Flüssigerdgas, kurz LNG, und bezieht Erdgas über unterschiedliche Transportwege.

Deshalb ist es wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten: steigende Preise am internationalen Markt und die physische Versorgung mit Energie sind nicht dasselbe.

Ist die Gasversorgung in Deutschland sicher?

Nach der aktuellen Lagebewertung der Bundesnetzagentur vom 26. Oktober 2026 ist die Gasversorgung in Deutschland stabil und die Versorgungssicherheit gewährleistet. Die Behörde stuft die Gefahr einer angespannten Gasversorgung derzeit als gering ein.

Für die Versorgungssicherheit kommt es laut Bundesnetzagentur auf das Zusammenspiel von Pipelineimporten, Gasspeichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage an. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Erdgas verfügbar und es gebe ausreichende Importmöglichkeiten.

Gleichzeitig wirken sich die Entwicklungen im Nahen Osten auf die Großhandelspreise in Europa aus. Ob und in welchem Umfang diese Veränderungen schließlich Kunden und Kundinnen erreichen, hängt laut der Behörde unter anderem von der Dauer des Konflikts, der Beschaffungsstrategie des jeweiligen Lieferanten und den vertraglichen Regelungen ab.

Was bedeutet das für die Beschaffungsstrategie der evm?

Wenn sich Börsenpreise innerhalb weniger Tage stark bewegen, wird deutlich, warum der Zeitpunkt des Energieeinkaufs eine wichtige Rolle spielt.

Wir beschaffen Strom und Erdgas in mehreren Tranchen über einen längeren Zeitraum vor dem jeweiligen Lieferjahr. Dadurch ist der Energieeinkauf nicht ausschließlich vom aktuellen Tagespreis abhängig.

Das Prinzip lässt sich vereinfacht so erklären: Statt die benötigte Energiemenge zu einem einzigen Zeitpunkt zu kaufen, wird sie schrittweise beschafft. Kurzfristige Ausschläge am Großhandelsmarkt schlagen deshalb nicht eins zu eins und unmittelbar auf die gesamte Beschaffung durch.

Genau diese Unterscheidung ist in volatilen Marktphasen entscheidend.

Was bedeutet das konkret für dich als evm-Kunde?

Ein Preissprung an der Energiebörse bedeutet nicht automatisch, dass sich deine monatlichen Ausgaben unmittelbar erhöhen.

Welche Preise für dich gelten, richtet sich zunächst nach deinem konkreten Energieliefervertrag. Bei einem vereinbarten Festpreis bleiben die entsprechenden Preisbestandteile bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit stabil.

Deshalb lohnt sich ein Blick auf deinen Vertrag. So kannst du unterscheiden zwischen:

  • kurzfristigen Preisänderungen am Großhandelsmarkt
  • den Einkaufskosten deines Energielieferanten
  • deinem vertraglich vereinbarten Energiepreis

Diese drei Größen entwickeln sich nicht zwangsläufig gleichzeitig.

Warum regionale Energieerzeugung langfristig wichtiger wird

Globale Handelsströme werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung mit internationalen Krisen, wie sinnvoll der Ausbau einer vielfältigen und zunehmend erneuerbaren Energieversorgung ist.

Fazit: Börsenpreise sind nicht automatisch deine Energiepreise

Der Nahost-Konflikt zeigt, wie schnell geopolitische Ereignisse die internationalen Energiemärkte bewegen können. Im Frühjahr 2026 kam es zeitweise zu erheblichen Ausschlägen bei Erdgas und Erdöl.

Für Kunden und Kundinnen ist jedoch entscheidend: Ein steigender Börsenpreis bedeutet nicht automatisch eine sofortige Änderung des eigenen Energiepreises. Beschaffungsstrategie und Vertragsbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Gasversorgung Deutschlands ist nach der aktuellen Einschätzung der Bundesnetzagentur stabil.

Für uns bleibt deshalb entscheidend, Energie vorausschauend zu beschaffen und gleichzeitig die Energieversorgung der Zukunft in unserer Region weiterzuentwickeln.