Kurz zusammengefasst
- Redispatch schützt Leitungen vor Überlastung und trägt zur Sicherheit des Stromnetzes bei.
- Bei einem Engpass wird die Stromerzeugung räumlich umverteilt: Anlagen vor dem Engpass reduzieren ihre Leistung, andere Anlagen dahinter erhöhen sie.
- Redispatch betrifft heute auch Strom aus erneuerbaren Energien sowie Stromspeicher.
- Kosten entstehen unter anderem durch den finanziellen Ausgleich betroffener Anlagen sowie durch den notwendigen Ausgleich der abgeregelten Strommengen.
- Das gesamte Netzengpassmanagement umfasst mehr als nur Redispatch. Dazu gehören beispielsweise auch Countertrading und Reservekraftwerke.
- Die Gesamtkosten des Netzengpassmanagements lagen 2024 bei rund 2,95 Milliarden Euro und 2025 bei rund 3,08 Milliarden Euro.
- Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze sind deshalb wichtige Bausteine der Energiewende.
Was bedeutet Redispatch eigentlich?
Strom nimmt auf seinem Weg vom Kraftwerk oder Windrad zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht einfach die kürzeste Strecke. Er verteilt sich physikalisch über die vorhandenen Leitungen.
Dabei kann es zu Engpässen kommen. Ein typisches Beispiel: Im Norden Deutschlands produzieren Windenergieanlagen viel Strom. Ein großer Teil davon wird jedoch anderswo benötigt. Können die vorhandenen Leitungen diese Strommenge nicht vollständig transportieren, müssen Netzbetreiber eingreifen.
Genau das ist Redispatch.
Die Bundesnetzagentur definiert Redispatch als Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, mit denen Leitungsabschnitte vor einer Überlastung geschützt werden.
So funktioniert Redispatch vereinfacht
Droht ein Netzengpass, läuft Redispatch im Grundprinzip so ab:
- Der Netzbetreiber erkennt einen drohenden Engpass.
- Er reduziert die Einspeisung geeigneter Anlagen auf einer Seite des Engpasses.
- Auf der anderen Seite wird die Einspeisung anderer Anlagen erhöht.
- Dadurch verändert sich der Stromfluss so, dass die überlastete Leitung entlastet wird.
Wichtig ist also: Beim Redispatch geht es nicht bloß darum, weniger Strom zu erzeugen. Die Stromerzeugung wird gezielt räumlich umverteilt.
Warum entstehen überhaupt Netzengpässe?
Stromerzeugung und Stromverbrauch finden nicht immer dort statt, wo sie für das Netz ideal wären.
Besonders deutlich wird das beim Ausbau der erneuerbaren Energien. In Norddeutschland können große Mengen Windstrom erzeugt werden, während sich bedeutende Verbrauchszentren unter anderem weiter südlich befinden.
2024 beschrieb SMARD, die Strommarktdatenplattform der Bundesnetzagentur, einen starken Nord-Süd-Stromfluss: Viele Windenergieanlagen im Norden treffen auf hohe industrielle Stromverbräuche in südlichen Bundesländern. Teilweise übersteigen diese Stromflüsse die Kapazität bestehender Übertragungsleitungen.
Das bedeutet nicht, dass erneuerbare Energien grundsätzlich ein Problem für das Stromnetz darstellen. Vielmehr müssen Erzeugung, Verbrauch und Netzinfrastruktur gemeinsam weiterentwickelt werden.
Warum verursacht Redispatch Kosten?
Ein Eingriff in die Stromerzeugung hat wirtschaftliche Folgen.
Wird beispielsweise eine Anlage heruntergeregelt, kann ihr Betreiber den ursprünglich vorgesehenen Strom nicht einspeisen. Beim Redispatch 2.0 besteht für Betreiber in Anspruch genommener Erzeugungsanlagen beziehungsweise Stromspeicher ein gesetzlich geregelter Anspruch auf einen angemessenen finanziellen Ausgleich.
Bei erneuerbaren Energien fallen deshalb unter anderem Ausgleichszahlungen an die Betreiber an. Gleichzeitig muss die reduzierte Strommenge ausgeglichen werden. Auch Börsengeschäfte sowie das Hochfahren von Markt- oder Netzreservekraftwerken können weitere Kosten verursachen.
Redispatch-Kosten sind deshalb nicht einfach der „Preis für abgeschalteten Strom“. Sie entstehen aus mehreren notwendigen Schritten, mit denen Netzbetreiber Engpässe beherrschen und das Stromsystem stabil halten.
Redispatch ist nicht dasselbe wie Netzengpassmanagement
Die beiden Begriffe werden häufig synonym verwendet, bezeichnen aber nicht genau dasselbe.
Redispatch ist ein Instrument des übergeordneten Netzengpassmanagements. Zu den Maßnahmen des Netzengpassmanagements gehören neben Redispatch beispielsweise auch der Einsatz von Reservekraftwerken und weitere Eingriffe zur Sicherung des Elektrizitätssystems.
Countertrading kommt ebenfalls hinzu: Dabei werden Stromgeschäfte gezielt eingesetzt, um physikalische Stromflüsse zu verändern und Engpässe zu entlasten.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn Kosten verschiedener Jahre verglichen werden. Eine Zahl für das gesamte Netzengpassmanagement darf nicht automatisch als reine „Redispatch-Kosten“ bezeichnet werden.
Wie hoch sind die Kosten?
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Definition.
Für das gesamte Netzengpassmanagement entstanden 2024 nach Angaben der Bundesregierung Kosten von rund 2,95 Milliarden Euro. 2025 waren es rund 3,08 Milliarden Euro. Darin enthalten sind unterschiedliche Kostenpositionen wie Ausgleichszahlungen an Betreiber erneuerbarer Anlagen, Redispatch mit konventionellen Marktkraftwerken, Reservekraftwerke und Countertrading.
Zum Vergleich: Für 2023 hatte SMARD vorläufige Kosten des Netzengpassmanagements von rund 3,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Obwohl das Maßnahmenvolumen gegenüber 2022 angestiegen war, sanken die Kosten damals deutlich. Als wesentlichen Grund nennt SMARD niedrigere Brennstoff- und Großhandelspreise.
Das zeigt: Hohe Redispatch-Mengen führen nicht automatisch im selben Verhältnis zu höheren Kosten. Entscheidend ist auch, welche Anlagen eingesetzt werden und welche Energie- und Brennstoffpreise zu diesem Zeitpunkt gelten.
Was ist Redispatch 2.0?
Seit dem 1. Oktober 2021 gilt der sogenannte Redispatch 2.0. Mit ihm wurden die Regeln für das Engpassmanagement erweitert und neu geordnet.
Erfasst werden laut Bundesnetzagentur konventionelle Erzeugung, die Einspeisung oder der Bezug von Stromspeichern sowie Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung. Ziel ist eine netzübergreifend optimierte Auswahl der Anlagen nach ihrer Wirksamkeit zur Engpassentlastung und den entstehenden Kosten.
Dadurch soll das Netzengpassmanagement effizienter funktionieren.
Wer trägt die Redispatch-Kosten?
Netzengpassmanagement ist eine Aufgabe des Netzbetriebs. Die daraus entstehenden Aufwendungen fließen in die Kosten des Stromnetzes ein.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist deshalb vor allem wichtig: Redispatch ist keine einzelne Position, die separat auf der Stromrechnung auftaucht. Er gehört zu den Kosten, die im Zusammenhang mit Betrieb und Stabilisierung des Stromnetzes entstehen.
Was hilft gegen hohe Redispatch-Kosten?
Eine einfache Einzelmaßnahme gibt es nicht. Entscheidend ist, die Ursachen von Netzengpässen zu reduzieren und das Gesamtsystem effizienter zu steuern.
1. Stromnetze ausbauen
Wenn Strom häufiger über weite Strecken transportiert werden muss, braucht es entsprechende Leitungskapazitäten.
SMARD nennt Verzögerungen beim Netzausbau zusammen mit dem Ausbau erneuerbarer Erzeugung in lastfernen Regionen ausdrücklich als Ursache für Netzbelastungen.
2. Bestehende Netze besser nutzen
Nicht nur neue Leitungen spielen eine Rolle. Auch die bessere Nutzung und Modernisierung bestehender Infrastruktur kann dazu beitragen, zusätzliche Transportkapazitäten verfügbar zu machen.
3. Erzeugung und Verbrauch flexibler machen
Ein Stromsystem mit hohen Anteilen wetterabhängiger Erzeugung benötigt mehr Flexibilität. Speicher, flexible Verbraucher und intelligente Steuerung können dazu beitragen, Strom dann zu nutzen oder zwischenzuspeichern, wenn besonders viel davon vorhanden ist.
4. Engpässe gezielt managen
Bis ausreichende Netzkapazitäten vorhanden sind, bleibt Redispatch selbst ein wichtiges Werkzeug. Er ist nicht das Problem, sondern eine Maßnahme zur Beherrschung bereits vorhandener Netzengpässe.
Fazit
Redispatch sorgt dafür, dass Stromleitungen trotz Engpässen sicher betrieben werden können. Dazu verändern Netzbetreiber gezielt die Einspeisung verschiedener Anlagen. Das ist für die Netzstabilität wichtig, verursacht aber Kosten.
Langfristig geht es deshalb nicht darum, Redispatch einfach abzuschaffen. Entscheidend ist, seine Ursachen zu verringern: durch den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze, eine bessere Nutzung vorhandener Kapazitäten und mehr Flexibilität im Energiesystem.
Der Netzausbau ist damit ein zentraler Baustein für ein Stromsystem, das wachsende Mengen erneuerbarer Energie aufnehmen und zuverlässig zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern bringen kann.
