Warum fliegt die Sicherung raus? | evm Blog

Welche Aufgabe hat eine Sicherung?

Sicherungen gehören zu den wichtigsten Schutzeinrichtungen einer Elektroinstallation. Ihre Aufgabe besteht darin, Stromkreise automatisch zu unterbrechen, wenn zu hohe Ströme auftreten. Das kann beispielsweise durch eine Überlastung oder einen Kurzschluss passieren. Ohne diesen Schutz könnten Leitungen überhitzen, Geräte beschädigt werden oder im schlimmsten Fall Brände entstehen.

In den meisten Haushalten kommen heute sogenannte Leitungsschutzschalter zum Einsatz. Sie überwachen den Stromfluss in einem Stromkreis und schalten diesen ab, sobald festgelegte Grenzwerte überschritten werden. Anders als frühere Schmelzsicherungen können sie nach der Beseitigung der Ursache einfach wieder eingeschaltet werden.

Oft werden Sicherungen und FI-Schalter, heutzutage als RCD bezeichnet, übrigens miteinander verwechselt. Beide befinden sich zwar meist im selben Sicherungskasten, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Während die Sicherung Leitungen und elektrische Anlagen vor Überlastung und Kurzschlüssen schützt, dient der FI-Schalter in erster Linie dem Personenschutz infolge eines Stromflusses durch den menschlichen Körper. Er erkennt Fehlerströme und unterbricht die Stromversorgung innerhalb kürzester Zeit, um gefährliche Stromschläge zu verhindern. Im Gegensatz zum Auslösen einer einzelnen Sicherung sind beim Auslösen eines FI-Schalters alle daran angeschlossenen Sicherungen bzw. Stromkreise spannungslos.

Wenn also eine Sicherung auslöst, muss das zunächst kein Fehler der Anlage sein, sondern ein Zeichen dafür, dass die Schutzmechanismen funktionieren. Die bleibende Frage ist dann: Was hat dazu geführt?

Die häufigsten Gründe, warum eine Sicherung auslöst

Zu viele Geräte gleichzeitig in Betrieb

Eine der häufigsten Ursachen ist eine Überlastung des Stromkreises. Das passiert, wenn mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig betrieben werden. Ist etwa ein Wasserkocher, die Mikrowelle, die Heißluftfritteuse und andere Geräte an einem Stromkreis gleichzeitig in Betrieb, kann die zulässige Belastung überschritten werden. Die Sicherung schaltet den Stromkreis dann vorsorglich ab.

Wissenswert: Eine klassische 16-A-Sicherung (wie sie oft in unseren Haushalten vorkommt) verhält sich nicht wie ein Ein-Aus-Schalter, der bei exakt 16 Ampere auslöst. Kleine Überschreitungen werden oft noch eine Zeit lang toleriert. Erst bei etwa 40 Prozent Überlastung, also rund 23 Ampere, schaltet die Sicherung ab.

Defekte Elektrogeräte

Manchmal liegt das Problem auch an einem einzelnen Gerät. Ein beschädigtes Kabel, ein Defekt im Inneren oder einfach Verschleiß nach vielen Betriebsjahren können dazu führen, dass die Sicherung eingreift.

Kurzschluss

Von einem Kurzschluss spricht man, wenn Strom einen Weg nimmt, den er eigentlich nicht nehmen sollte. Dadurch fließt innerhalb kürzester Zeit ein sehr hoher Strom. Um Schäden an Leitungen und Geräten zu verhindern, schaltet die Sicherung sofort ab. Ursachen können beispielsweise beschädigte Leitungen, defekte Geräte oder eindringende Feuchtigkeit sein.

Fehlerstrom und FI-Schalter

Nicht immer ist die Sicherung selbst betroffen. Manchmal löst stattdessen der FI-Schalter aus. Dieser reagiert auf sogenannte Fehlerströme, die etwa durch Feuchtigkeit, beschädigte Isolierungen oder defekte Elektrogeräte entstehen können. Im Unterschied zur Sicherung schützt der FI-Schalter vor allem Menschen vor gefährlichen Stromschlägen.

Was tun, wenn die Sicherung herausfliegt?

Fliegt die Sicherung heraus, hilft vor allem eins: ruhig bleiben und systematisch vorgehen. Oft lässt sich die Ursache schon mit wenigen Schritten eingrenzen.

1. Prüfen, welche Sicherung ausgelöst hat

Wirf zunächst einen Blick in den Sicherungskasten. Dort lässt sich meist schnell erkennen, ob eine Sicherung oder der FI-Schalter ausgelöst hat.

2. Angeschlossene Geräte ausschalten

Bevor die Stromversorgung wiederhergestellt wird, sollten elektrische Geräte im betroffenen Stromkreis ausgeschaltet oder vom Netz getrennt werden. So lässt sich vermeiden, dass die Sicherung direkt erneut auslöst.

3. Sicherung wieder einschalten

Lässt sich die Sicherung problemlos einschalten und bleibt aktiv, war möglicherweise eine kurzzeitige Überlastung die Ursache.

4. Geräte nacheinander wieder anschließen

Anschließend empfiehlt es sich, die zuvor ausgeschalteten Geräte einzeln wieder in Betrieb zu nehmen. Fliegt die Sicherung erneut heraus, lässt sich der Auslöser häufig auf ein bestimmtes Gerät eingrenzen.

Wichtiger Hinweis bei der eigenen Fehlersuche: An einer typischen 16-Ampere-Sicherung dürfen in Summe Elektrogeräte mit einer Gesamtleistung von 3.700 Watt angeschlossen sein. Bei Inbetriebnahme neuer Geräte empfiehlt es sich also, die Gesamtleistung kurz zu überschlagen. Die einzelnen Werte stehen auf den Typenschildern der Elektrogeräte.

5. Bei wiederkehrenden Problemen Fachleute hinzuziehen

Ist kein eindeutiger Verursacher erkennbar oder löst die Sicherung immer wieder aus, sollte die Anlage von einer Elektrofachkraft überprüft werden. Arbeiten an der Elektroinstallation gehören grundsätzlich nicht in Laienhände.

Wann sollte ein Elektriker gerufen werden?

Nicht jede ausgelöste Sicherung ist gleich ein Fall für den Fachbetrieb. Lassen sich Ursache und Auslöser eindeutig erkennen, etwa durch eine kurzzeitige Überlastung, reicht es oft aus, das Problem selbst zu beheben. Kritischer wird es, wenn die Sicherung nach dem Wiedereinschalten direkt erneut abschaltet oder das Problem regelmäßig auftritt. Dann kann ein tieferliegender Fehler in einem Gerät oder der Elektroinstallation vorliegen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn verschmorte Gerüche auftreten, Steckdosen ungewöhnlich warm werden oder sichtbare Schäden an Kabeln und elektrischen Anlagen erkennbar sind. Auch Funkenbildung ist ein Warnsignal, das nicht ignoriert werden sollte.

Grundsätzlich gilt: Sobald Arbeiten im Sicherungskasten oder an der festen Elektroinstallation erforderlich werden, muss diese ausschließlich von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden. Das sorgt nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern hilft auch dabei, mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

So lassen sich viele Probleme vermeiden

Ganz ausschließen lassen sich ausgelöste Sicherungen nicht. Mit ein paar einfachen Maßnahmen sinkt das Risiko aber deutlich:

  • Mehrfachsteckdosen nicht überlasten.
  • Beschädigte Kabel und defekte Geräte zeitnah austauschen.
  • Elektrische Geräte vor Feuchtigkeit schützen.
  • Die Elektroinstallation bei älteren Gebäuden regelmäßig prüfen lassen. Hierfür ist der sogenannte E-Check des Elektrohandwerks zu empfehlen. 

Viele Ausfälle lassen sich schon vermeiden, wenn Steckdosenleisten nicht dauerhaft überlastet und ältere Geräte regelmäßig geprüft werden.

Fazit

Eine Sicherung schaltet nicht ohne Grund ab. Meist steckt ein technisches Problem dahinter, das schnell gefunden werden kann. Wer systematisch vorgeht, kann viele Ursachen selbst eingrenzen. Bleibt der Fehler bestehen, sollte die Elektroinstallation fachgerecht überprüft werden.

Auch wenn ein Stromausfall in den eigenen vier Wänden lästig ist: Eine ausgelöste Sicherung zeigt vor allem, dass die eingebauten Schutzmechanismen funktionieren.


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