Die Menschen in Kadenbach haben es wahrscheinlich gar nicht bemerkt, doch sie sind nun Nutzer einer ganz besonderen Technik. Denn hier hat die Energienetze Mittelrhein (enm), die Netzgesellschaft der Energieversorgung Mittelrhein (evm), einen regelbaren Ortsnetztransformator mit Regelung durch ein Smart Grid-System eingesetzt. Die innovative Trafostation unterscheidet sich optisch nicht von ihren konventionellen Kollegen. Doch sie hat es in sich: Denn sie wertet automatisiert zahlreiche Daten aus und regelt die Energieflüsse im Stromnetz vor Ort ganz allein. Das trägt zur Spannungsqualität bei.

Innovative Technik mit Daten angereichert

Regelbare Ortsnetztransformatoren, kurz rONT, nutzt die enm bereits seit einigen Jahren an gezielt ausgewählten Stellen im Stromnetz. Das besondere an der Trafostation in Kadenbach ist die Weitbereichsregelung des Smart Grid Systems. Smart Grid bezeichnet dabei das intelligente Stromnetz der Zukunft. An verschiedenen Stellen im Netz werden Sensoren verbaut, die Daten über Spannung und Strom sammeln. Damit und mit einer speziell programmierten Software kann mithilfe eines Algorithmus das ganze Netz abgebildet werden. Der Vorteil für die Trafostation: Umso mehr Daten die Station hat, desto besser kann sie Stromflüsse steuern und umso besser ist die Spannung an den Hausanschlüssen der Nutzer. Außerdem zeichnet die Software Daten aus dem Verteilnetz auf und gibt eine Warnung an die Netzexperten, wenn beispielsweise der Trafo zu 100 Prozent ausgelastet ist. „Dann müssen wir händisch eingreifen“, erklärt Peter Wiacker, Bereichsleiter Asset-Management, der unter anderem für die technische Ausstattung des Stromnetzes zuständig ist. Die neue Technik hilft außerdem, Fehler im Falle einer Störung noch schneller zur finden. Durch den Anstieg der Spannung zu einer bestimmten Uhrzeit zum Beispiel. „Wir freuen uns, die Software und die Messgeräte in diesem Pilotprojekt zu testen“, so der Netzexperte. „Damit gehen wir einen wichtigen Schritt, um auch in Zukunft eine exzellente Versorgung für die Menschen in der Region sicherzustellen.“

Verteilerschränke
Die Sensoren, die die Daten für den Algorithmus der Weitbereichsregelung liefern, können platzsparend direkt in den Verteilerschränken vor Ort eingebaut werden.


Ausgezeichnete Versorgungssicherheit – auch in Zukunft

„Unsere Versorgungssicherheit ist im ganzen Netz ausgezeichnet und deutlich über dem Bundesdurchschnitt“, schildert Wiacker. „Das wollen wir auch in Zukunft sichern. Daher investieren wir schon heute.“ Statistisch gesehen sind die Kunden im Netz der enm jährlich aufgrund von Störungen 5,6 Minuten ohne Strom (enm-Stand 2018), im Bundesdurchschnitt sind es ganze 13,9 Minuten (BNetzA-Stand 2018). Pilotprojekte wie dieses in Kadenbach helfen den Netzexperten, Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln und Lösungen schon zu haben, bevor Probleme auftreten. Denn die steigende Zahl von Elektro-Ladeeinrichtungen und die Energiewende stellen Netzbetreiber in ganz Deutschland vor neue Herausforderungen. Immer mehr dezentrale Erzeugungsanlagen speisen in das Stromnetz ein. Das kann zum Beispiel die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses sein. Je nach Stärke und Dauer der Sonneneinstrahlung können dadurch Schwankungen im Netz auftreten. „Diesen Schwankungen wirken wir durch den gezielten Einbau von moderner Technik, wie der regelbaren Ortsnetztransformatoren entgegen“, erläutert Peter Wiacker. Denn das Stromnetz müsse immer im Gleichgewicht sein: Erzeugung und Verbrauch von Energie müssen ausgeglichen sein. „Mit diesen frühzeitigen Investitionen stellen wir unser Netz auch für die Zukunft gut auf“, so Wiacker.