Die Gasversorgung ist gesichert

Die deutsche Energiewirtschaft blickt mit Bestürzung und großer Sorge auf die Situation in der Ukraine. Leidtragende dieses Krieges ist in allererster Linie die ukrainische Bevölkerung. Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Menschen. Viele Menschen machen sich angesichts der Krise auch Sorgen, was die Energieversorgung betrifft. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt. 

  • Ist die Gasversorgung trotz aktueller Ereignisse gesichert?

    Ja. Da der aktuelle Lieferanteil aus Russland durch Umschwenken auf andere Bezugsquellen mittlerweile deutlich niedriger ist, als noch vor dem Krieg, der Bedarf im Frühling und Sommer deutlich geringer ist und die Gasspeicher zusätzlich zur Verfügung stehen, ist die Gasversorgung aus der heutigen Sicht nicht gefährdet.

    Gemeinsam mit anderen Partnern aus der Gaswirtschaft beobachten wir die Situation sehr genau und sind über unseren Bundesverband BDEW hierzu auch im engen Austausch mit den zuständigen Behörden. Die Gaswirtschaft verfügt über ein breites Instrumentarium zur Gewährleistung einer stabilen Versorgung. Gasspeicher sind hierbei ein Instrument, aber nicht das einzige. Deutschland bezieht Erdgas kontinuierlich aus zahlreichen unterschiedlichen Lieferländern wie Norwegen, Russland, Niederlande oder auch aus der Erdgas-Förderung in Deutschland. Die benötigten Gasmengen werden durch langfristige Bezugsverträge sowie kurzfristig an den europäischen Energiehandelsplätzen beschafft. Der liquide und wettbewerbsorientierte EU-Binnenmarkt stärkt die Versorgungssicherheit.

    Insbesondere Haushaltskunden sind zudem im unwahrscheinlichen Fall eines Engpasses durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt.

  • Sind die Gasspeicher ausreichend gefüllt?

    Die deutschen Gasspeicher sind kurz vor dem Winterende zu rund 30 Prozent gefüllt und weisen damit wieder einen vergleichbaren Stand zu den Vorjahren auf. Die Energiewirtschaft unterstützt die Bundesregierung in dem Bemühen, den Beitrag von Gasspeichern zur Versorgungssicherheit krisenfest zu machen. Unabdingbares Ziel ist, mit ausreichend gefüllten Gasspeichern in den nächsten Winter zu gehen und dies auch nachhaltig sicherzustellen. 

  • Was passiert, falls Russland die Lieferungen einstellt?

    Würden die Lieferungen aus Russland von einem Tag auf den anderen ausfallen, wäre das natürlich eine große Herausforderung, vor der die Bundesregierung und die Energiewirtschaft dann stehen würden. Aber wir stehen in Europa auch nicht ohne Sicherungsmechanismen da. Die aktuelle Lage wird von den zuständigen Behörden in Deutschland und Europa und von der Gaswirtschaft sehr genau beobachtet und regelmäßig entlang der bestehenden Vorsorgepläne neu bewertet. Deutschland bezieht Erdgas aus unterschiedlichen Lieferländern. Zudem besteht die Möglichkeit, in gewissem Umfang zusätzliche Flüssiggas-Mengen beispielsweise aus den USA zu beziehen. Man würde prüfen: Welche Alternativen gibt es? Wo gibt es noch Mengen in Speichern? Wer könnte zusätzlich Mengen liefern? Wo kann reduziert werden? Zudem ist Deutschland keine Insel, sondern Teil eines europäischen Erdgas-Versorgungsystems, in dem sich die EU-Staaten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen. Hierzu gibt es entsprechende verbindliche Vorsorge-Pläne. In jedem Fall sind Haushaltkunden und verschiedene Einrichtungen durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt.

  • Welchen Beitrag kann LNG zur Versorgungssicherheit leisten?

    LNG, also Liquefied Natural Gas, ist Erdgas, das auf -162° Celsius heruntergekühlt wird und dann im flüssigen Zustand nur noch ein Sechshundertstel seines ursprünglichen Volumens aufweist. Deswegen kann es in Tankschiffen transportiert werden. Diese landen das Gas an europäischen Terminals an, wo es wieder auf Normaltemperatur gebracht und in das Gasnetz gepumpt wird.

    In gewissem Umfang besteht die Möglichkeit, zusätzliche Mengen des verflüssigten Erdgases zu beziehen. Die derzeit größten LNG-Anbieter sind Katar, Australien und auch die USA. Insbesondere dort sind viele Produzenten in der Lage, ihre Angebotsmenge kurzfristig auszuweiten, um auf Nachfrageschwankungen zu reagieren. Die Vereinigten Staaten wollen ihre LNG-Produktion zwischen 2020 und 2024 um 86 Prozent, also 55 Milliarden Kubikmeter, steigern. Denn besonders der asiatische Markt wächst rasant.

    Hinweis: LNG ist nicht zu verwechseln mit Flüssiggas, das aus Propan und Butan besteht. LNG hingegen ist verflüssigtes Erdgas.

  • Welche Auswirkungen hat ein vorzeitiges Ende von Nord Stream 2 auf die Gasversorgungssicherheit in Deutschland und Europa?

    Europa und Deutschland beziehen Erdgas aus vielen verschiedenen Lieferländern aus ganz unterschiedlichen Weltregionen. Dabei kommt das Gas sowohl über Transportleitungen als auch via Großtanker in Form von Flüssiggas.

    Europa kann so auf einen sehr breiten Liefermix bauen: Gas kommt gewissermaßen aus allen Himmelsrichtungen nach Europa. Einerseits aus Norwegen, aus Russland, aus den Niederlanden, aber auch aus dem kaspischen Raum. Und wir beziehen Gas beispielsweise auch aus Nordafrika und dem Nahen Osten.

    Zudem kommt aktuell auch Flüssigerdgas via Großtanker aus den USA. Hinzu kommt die sehr gute Gasspeicher-Infrastruktur insbesondere in Deutschland sowie das europäische Gas-Verbundnetz, dass den innereuropäischen Gas-Austausch ermöglicht und das in den vergangenen Jahren immer stärker aus-gebaut worden ist. Je mehr Leitungen und je mehr Lieferrouten es Richtung Europa gibt, desto besser.

  • Wie viele Wohnungen werden in Deutschland mit Erdgas beheizt?

    Gas ist der meist genutzte Heiz-Energieträger im Gebäudebestand in Deutschland. Wie eine Auswertung des BDEW zeigt, wird die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland mit Gas beheizt (50 Prozent). In einem Viertel der Wohnungen (25 Prozent) kommt Heizöl zum Einsatz. Fernwärme folgt auf Platz drei mit 14 Prozent. Stromdirektheizungen und Elektro-Wärmepumpen machen zusammen rund 5 Prozent aus, sonstige Wärmeerzeuger (u. a. Biomasse), rund 6 Prozent.

  • Wie viel Erdgas wird in Deutschland verbraucht und wo wird es eingesetzt?

    Der Erdgasabsatz in Deutschland belief sich 2021 nach ersten Daten auf 1.003 Milliarden Kilowattstunden. Die Betriebe der Industrie sind mit 36 % die größte Abnehmergruppe. Der Anteil der Haushalte, der stark witterungsabhängig ist, beträgt 31 %.

  • Wie ist es um die Sicherheitsanforderungen bestellt?

    Die deutsche Energieversorgung zählt zu den sichersten weltweit. Die Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen kontinuierlich sehr hohe regulatorische Sicherheitsanforderungen u. a. für Energieversorgungsnetze und für Energieanlagen sowie Meldepflichten bei IT-Sicherheitsvorfällen gegenüber dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik umsetzen und nachweisen. Die Einhaltung dieser Anforderungen wird von der Bundesnetzagentur sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik überwacht und die Anforderungen werden bei Bedarf aktualisiert oder erweitert. Die in Deutschland für den Sektor Energie geltenden Anforderungen gehen weit über die verpflichtenden Mindestanforderungen der Europäischen Cybersicherheitsrichtlinie hinaus.