Wasser in den Rhein zu leiten, ist nicht so schwer. Doch Wasser unter dem Rhein hindurch von Wallersheim nach Niederwerth zu pumpen, ist eine echte Herausforderung. Vor allem dann, wenn es um gewaltige Massen an Trinkwasser geht. Genau dieser Aufgabe stellt sich die Energieversorgung Mittelrhein (evm). Im Auftrag der Vereinigten Wasserwerke Mittelrhein (VWM) plant sie derzeit den Bau einer neuen Druckleitung, die den Rhein unterquert und in der Fachsprache Düker heißt.

Zu diesem Zweck wurden kürzlich Probebohrungen im Rhein bei Wallersheim durchgeführt, damit sich die Experten der evm-Netztochter Energienetze Mittelrhein ein Bild von der Beschaffenheit der Flusssohle machen können. Doch bevor mit den Bohrungen begonnen werden konnte, musste zunächst einmal ein Muschelexperte hinzugezogen werden. „Wer sich mit dem Bau eines Rheindükers beschäftigt, bekommt es unweigerlich mit der Gemeinen Flussmuschel zu tun“, berichtet Marcelo Peerenboom, Pressesprecher der evm-Gruppe. Bundesweit wird sie in der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Weil sie so selten ist, steht sie unter Schutz. 

Taucher im Einsatz

Die Aktion war mit einigem Aufwand verbunden: Unweit der Firma Aleris am Hafen hatten sich Mitarbeiter von Spezialunternehmen eingefunden. Zu diesen zählten neben den Bohr- und dem Muschelexperten auch Taucher. Sie gingen an Bord eines Pontons, der von einem Schlepper an eine zuvor definierte Stelle gezogen wurde. Diese hatte ein Vermessungsingenieur exakt berechnet. Die große Schwimmplattform wurde schließlich fixiert und eine Außenleiter angebracht, über die der Taucher später hinabstieg, um den Grund zu erreichen. Aufgrund der starken Strömung musste der Taucher seinen Einsatz allerdings abbrechen. Aufgrund dieser Umstände gab die Naturschutzbehörde grünes Licht für Probebohrungen, auch ohne gesicherte Erkenntnisse darüber, ob dort die Gemeine Flussmuschel lebt oder nicht. Gemeinsam wurde vereinbart, vor der Bohrung den Flussgrund im Bereich der Bohrung freizuspülen, damit keine der womöglich vorhandenen Muscheln zu Schaden kommen kann. 

Es geht ums Bohrverfahren 

Drei Tage entnahmen die Experten die Bohrkerne. Diese werden von einem Ingenieurbüro bewertet, worauf dann die weiteren Planungsarbeiten aufbauen.  „Das ist wichtig, damit wir festlegen können, welches Bohrverfahren wir später einsetzen“, erläutert Marcelo Peerenboom. Weitere Bohrungen im gleichen Verfahren wurden danach auf der Niederwerther Seite durchgeführt, es folgen noch drei Bohrungen an Land. Beim Bau des Rheindükers von Horchheim zum Oberwerth vor vier Jahren beispielsweise stellte sich heraus, dass aufgrund der meterdicken Kiesschichten spezielle Schutzrohre, sogenannte Casings, eingesetzt werden mussten.

Bis der neue Düker nach Niederwerth gebohrt wird, geht noch mehr als ein Jahr ins Land. Genehmigungs-, Planungs- und Ausschreibungsverfahren brauchen ihre Zeit. Mit der neuen Druckleitung unter dem Rhein verbessert die evm im Auftrag der Vereinigten Wasserwerke Mittelrhein (VWM) im Rahmen des Projekts „VWM 2035“ die Versorgungssicherheit.