e-Boomer

„Elektromobilität ist für Menschen auf dem Land mindestens so interessant wie für Stadtbewohner“, zeigt sich Stefan Daun, bei der evm für Elektromobilität zuständig, überzeugt. „14 000 waren es Ende 2021. Schon im Jahr 2025 könnten es 40 000 sein.“ Gemeint ist die Anzahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge in unserem Versorgungsgebiet. Es umfasst unter anderem Großstädte wie Koblenz, aber auch kleine Gemeinden wie rund um den Nürburgring in der Eifel oder im Westerwald. Mit der steigenden Beliebtheit der Elektrofahrzeuge gewinnt auch der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur zunehmend an Relevanz. Doch noch immer ranken sich so einige Mythen um die Elektromobilität und deren infrastrukturelle Machbarkeit. Unsere Experten Stefan Daun und Domenic Frank zeigen vier unterschiedliche Bereiche auf, die für E-Auto-Fahrende eine zentrale Rolle spielen. Dabei liefern sie stichfeste Argumente, die jegliche Zweifel wettmachen.


Laden zu Hause

Tagsüber fahren – abends laden: Mit einer Wallbox lassen sich E-Autos bequem an das heimische Stromnetz anschließen. Elf Kilowatt Ladeleistung reichen normalerweise, so Daun, um das Auto über Nacht aufzuladen. Der E-Auto-Fan tauscht sich in einem Club mit anderen Elektromobilisten und -mobilistinnen aus. So verbinden sich bei ihm Enthusiasmus und berufliches Interesse. Denn die evm bietet Umsteigern ein Komplettpaket, das die Wallbox für das Heimladen, deren Installation sowie den Bezug von Grünstrom umfasst. Mehrere Hundert dieser Paketlösungen sind bereits vermarktet. 

Den großen Vorteil sieht Daun vor allem in der Verlässlichkeit: „Verantwortlich gegenüber den Kunden und Kundinnen sind ausschließlich wir als Energieversorger. Und unsere Partner haben wir uns sorgfältig ausgesucht.“ So stammt die Wallbox von Keba, einem Elektrotechnik-Unternehmen aus Linz in Österreich, das weltweit bereits eine Viertel Million Ladestationen eingerichtet hat. Gegen Mitternacht ist der Akku des Elektroautos in der Regel schon wieder voll. Also gibt es keinen Grund zur Sorge vor zu wenig Reichweite am Morgen. „Das Ladeverhalten ändert sich mit der Zeit“, sagt Daun aus eigener Erfahrung. „Je besser sich alles einspielt, desto cooler wird man selbst.“


Stabile Ortsnetze

Unspektakulär sieht der Kasten aus, aber Domenic Frank ist stolz auf ihn, denn mithilfe dieser „intelligenten Ortsnetzstation“ erkennt der Elektroingenieur, was für den Betreiber eines Verteilnetzes normalerweise unsichtbar bleibt: wie viel Strom in den einzelnen Teilen des Netzes aktuell tatsächlich fließt. „Für gewöhnlich ist das Niederspannungsnetz für Verteilnetzbetreiber eine Blackbox“, erläutert Frank. Dank Simulationen und Messungen ist er sich jedoch sicher: „Die Netze werden aufgrund des E-Auto-Booms nicht zusammenbrechen.“ Zwar müsste mit zunehmender Durchdringung das Laden gesteuert und die Hardware durchaus an der einen oder anderen Stelle verstärkt werden. „Doch ins Chaos werden wir nicht fallen“, erklärt er.



Intelligente Stromzähler mit entsprechender Steuermöglichkeit werden sich in den Haushalten künftig überall durchsetzen. „Dann könnten wir auch die zweite Hälfte der Nacht für das Laden nutzen“, sagt Frank. Die Netze müssen stets auf den maximal auftretenden Leistungsbedarf ausgelegt werden. Daher ist es aus Sicht des Netzbetreibers sinnvoller, die benötigte Energiemenge langsam und zeitlich versetzt zu tanken, als noch schnellere Wallboxen mit 22 Kilowatt Ladeleistung einzusetzen. Perspektivisch sei sogar ein bidirektionales Laden möglich, bei dem der im Fahrzeug gespeicherte Strom wieder an das Haus abgegeben würde und so sogar zur Stabilisierung der Netze beitragen könnte.

»Die Netze werden aufgrund des E-Auto-Booms nicht zusammenbrechen.«

Domenic Frank, Elektroingenieur enm


Schnelles Stromtanken unterwegs

Durchschnittlich 41 Kilometer fahren Menschen mit dem Elektroauto pro Tag, schätzt Stefan Daun. Selbst bei Minusgraden und einem großen, schweren Auto entspricht das einem Tagesverbrauch von acht bis zehn Kilowattstunden – oder weniger als einer Stunde Ladezeit an der heimischen Wallbox. 

„Aber natürlich gibt es auch Fälle, in denen man weite Strecken zurücklegt und auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist“, so Daun. Deshalb engagieren wir uns beim Ausbau eines Schnellladenetzes. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Hochleistungsladen zu, bei dem der Strom mit einer Ladeleistung von 150 bis 300 Kilowatt in die Batterie fließt. Leistungsstarke Schnellladesäulen werden oft in Ladeparks direkt an die Mittelspannungsebene angeschlossen. „Zwar müssen wir im Rahmen der Energiewende alle Netzebenen ausbauen, aber für die Schnelllader sind

verfügbare Flächen ein größerer Engpass.“

In einem Koblenzer Gewerbegebiet planen wir derzeit sechs weitere Ladepunkte mit jeweils 150 Kilowatt Nennleistung. Zudem entstehen weitere Wechselstrom-Ladesäulen an hochfrequentierten Standorten, etwa in der Koblenzer Innenstadt. Um Elektromobilität auch für Laternenparker und -parkerinnen ohne eigenen Stellplatz attraktiver zu machen, forschen wir mit der Hochschule Koblenz daran, wie Straßenleuchten als Ladestationen genutzt werden können.


In einem Koblenzer Gewerbegebiet planen wir derzeit sechs weitere Ladepunkte mit jeweils 150 Kilowatt Nennleistung. Zudem entstehen weitere Wechselstrom-Ladesäulen an hochfrequentierten Standorten, etwa in der Koblenzer Innenstadt. Um Elektromobilität auch für Laternenparker und -parkerinnen ohne eigenen Stellplatz attraktiver zu machen, forschen wir mit der Hochschule Koblenz daran, wie Straßenleuchten als Ladestationen genutzt werden können.

Individuelle Lösungen für Arbeitgeber

„Mit Unternehmenskunden über Energieversorgung zu reden, gehört zum Tagesgeschäft“, so Stefan Daun. „Die Elektromobilität eröffnet jedoch neue Möglichkeiten. Hier besteht intensiver Beratungsbedarf.“ Denn immer mehr Unternehmen wollen nicht nur die Klimabilanz ihres Fuhrparks verbessern, sondern den eigenen Mitarbeitenden auch die Möglichkeit bieten, während der Arbeitszeit zu laden. Die Herausforderung: Es gibt keine Standardlösung, die für alle Betriebe passt. Unternehmenskunden werden daher von einem eigenen mehrköpfigen Team betreut, das in Zusammenarbeit mit den hauseigenen Ingenieuren maßgeschneiderte Angebote entwickelt. Unsere Lösungen umfassen nicht nur die Installation und den Strombezug, sondern auch den kompletten Betrieb bis hin zur Abrechnung. Dass sich die individuelle Betreuung lohnt, zeigt ein Projekt für die Debeka.


Auf dem Parkplatz am Stammsitz der Versicherungsgruppe errichteten wir mithilfe der Debeka zehn Ladepunkte. Mitarbeitende können so ihre Elektroautos mit bis zu elf Kilowattstunden laden. Für den ebenfalls von der evm verantworteten Betrieb wurden einige individuelle Wünsche erfüllt – zum Beispiel gibt es einen eigenen Ladekartentarif für Beschäftigte der Debeka. „Die Elektromobilität kommt auf breiter Front“, prognostiziert Daun. „Als kompetenter Partner unterstützen wir sowohl unsere Privat- als auch unsere Unternehmenskunden auf diesem Weg.“

»Wir entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden, denn es gibt keine Standardlösung für Betriebe.«

Stefan Daun, Product Owner für Elektromobilität im Vertrieb der evm